BMW M5 F10 1.095-PS-Sleeper

Weiß wie die Unschuld: 1.095-PS-Sleeper

Als „Sleeper“ werden in der Tuning- und Performance-Community ebensolche Fahrzeuge bezeichnet, die große Kraft in einem unscheinbaren Äußeren verhüllen – Power, die man nicht erwartet! Dabei kann es sich einerseits um serienmäßige Fahrzeuge handeln, noch ausgeprägter allerdings ist der Überraschungseffekt aber selbstverständlich bei nachträglich nochmals leistungsgesteigerten Varianten dezent auftretender Fahrzeuge.

Der BMW M5 beispielsweise ist für Laien häufig nur schwer von den zahmen Einstiegsmodellen in BMWs Oberklasse-Baureihe zu unterscheiden – und das, obwohl der M5 seit nunmehr sechs Modellgenerationen zu den antriebsstärksten Fahrzeugen der Münchener Premium-Marke gehört.

So brachte beispielsweise der von 2011 bis 2016 vom Band gelaufene M5 der F10-Baureihe, wie hier abgebildet, bereits werksseitig mindestens 560 PS an den Start, in den „Competition“- und „30 Jahre M5“-Modellen steckten sogar 575 bzw. 600 PS unter der Haube. Das allerdings ist alles „gar nichts“ gegen die hier abgebildete, in unschuldigem Weiß erstrahlende M5-Limousine, unter deren Motorhaube ihr Besitzer Ramanan Thiagarajah am Rad gemessene 1.095 PS versammelte – und zwar beinahe ohne einen optischen Hinweis auf den gewaltigen Power-Zuwachs zu geben. Ein echter Bilderbuch-Sleeper!

25 Jahre Performance-Erfahrung

Ramanan ist kein Anfänger: Der 42-Jährige, welcher in Sri Lanka geboren wurde, jedoch seit 30 Jahren Jahren in den USA lebt und heute in leitender Funktion in der Halbleiter-Industrie beschäftigt ist, ist bereits seit rund 25 Jahren aktiver Teil der Performance-Tuning-Gemeinde und eignete sich in dieser Zeit einen dementsprechend umfangreichen Erfahrungsschatz an. So stellte er bereits Mitte der 1990er Jahre den – nach eigenen Angaben – weltweit schnellsten Sauger-Honda Civic auf die Räder, gefolgt von einem Honda NSX und einem Acura CLS mit selbst konstruierter Turboaufladung, einem BMW E60 M5 mit Kompressoraufladung sowie schließlich einem ersten F10 M5-Projekt, mit welchem Ramanan Dragstrip-Rekorde für diese Fahrzeugbasis aufstellte: 9,9 Sekunden mit einer Endgeschwindigkeit von 229 km/h auf der 1/4-Meile und eine gemessene Geschwindigkeit von 282 km/h nach der halben Meile.

1.095 PS – am Rad gemessen

Noch deutlich stärker als dieses Fahrzeug allerdings, dessen Motor-Mechanik serienmäßig blieb, tritt nun der hier abgebildete M5 an, welcher werksseitig bereits das Competition-Paket mitbrachte. Die serienmäßige Biturbo-Aufladung dessen 4,4 Liter großen S63TU-Aggregats ersetzte Ramanan durch einen Pure Turbos Stage X-Kit, dessen Herzstücke zwei Garrett GTX 3076 Gen2-Lader bilden, welche über einen speziell konstruierten Krümmer an das BMW-Triebwerk angeflanscht wurden. Die OEM-Ladeluftkühler des BMWs wurden parallel durch effizientere Pure Turbos CSF Series-Kühler ersetzt. Auf einen Serienmotor ließ Ramanan die beiden Garrett GTX-Turbolader allerdings nicht los: Um die Standfestigkeit des Triebwerks zu sichern und noch mehr Leistung zu ermöglichen, zogen im Zuge eines Carbahn Auto S2-Umbaus geschmiedete Pleuel und Kolben sowie schärfere Nockenwellen in die bearbeiteten Zylinderköpfe ein. Die beiden voluminösen Tanks im Kofferraum der Stufenheck-Limousine weisen ferner auf die Präsenz eine Burger Motorsport-Wasser/Methanol-Einspritzung hin. Weitgehend erhalten blieb hingegen die BMW M5 Competition-Abgasanlage. Hinzugefügt wurden hier lediglich elektrisch betätigte QTP-Cutouts, welche dem Abgasstrom auf Knopfdruck freie Bahn gewähren sowie BMW M Performance/Akrapovic-Carbon-Ummantelungen für die vier Endrohre.

Die Regie über dieses Hardware-Ensemble führen gemeinschaftlich das einer DMETuning-Softwareoptimierung unterzogene M5-Steuergerät und eine zusätzliche Burger Motorsport JB4-Box, welche insbesondere für die Ladedruck-Regelung und den Einsatz der Wasser/Methanol-Einspritzung verantwortlich zeichnet. Mit diesem Setup riss der M5 die 1.000-PS-Schallmauer deutlich: Bei 6.120 U/min zeigte der Rollenprüfstand 1.095 PS an. Wie in den USA üblich ist dies eine Angabe der Radleistung, die nach europäischen Vergleichsmaßstäben noch um einige Prozentpunkte nach oben zu korrigieren wäre. Nicht minder beeindruckend ist das maximale Drehmoment von 1.420 Nm, welches bei 4.960 Nm anliegt.

Heavy Duty-Antriebsstrang

Selbstverständlich musste auch die Hardware des Antriebsstrangs angesichts solcher Werte verstärkt werden, um nicht gleich beim der ersten Volllast-Attacke des Biturbo-Motors die weiße Fahne schwenken zu müssen. So kombinierte Ramanan das im M5 F10 serienmäßige 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit SSP Spec Z-20-Scheiben-Kupplungen und spendierte dem großen Bayern darüber hinaus eine Carbon-Kardanwelle sowie geschmiedete Antriebswellen aus dem Sortiment des auf solcherlei Heavy Duty-Parts spezialisierten Driveshaft Shops.

Semislicks für optimierten Grip

An den Achsen rotieren mattschwarze, filigrane Rohana RF2 Forged-Felgen in 9×20 und 11×20 Zoll. An der Vorderachse wurden die geschmiedeten Einteiler mit Michelin Pilot Super Sport-Pneus der Dimension 265/35R20 bezogen, während die Hinterachse des Hecktrieblers – denn Allradantrieb besitzt der M5 erst seit der kürzlichen Einführung der Nachfolge-Baureihe F90 – zugunsten besserer Traktion mit Toyo Proxes R888-Semislick-Walzen in 315/30R20 bestückt wurde.

Optisch sehr dezent

Wie bereits dargelegt fallen die Exterieur-Modifikationen überaus zurückhaltend aus: Eine am Bug installierte 3D-Style-Carbon-Frontspoilerlippe sorgt für dezente Sportlichkeit und reduziert den Auftrieb an der Vorderachse, was sich insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten in einer ruhigeren Straßenlage niederschlägt. Zudem wurden das Dach der weißen Limousine schwarz foliert sowie die seitlichen Kiemen und das M5-Typenschild am Heck geschwärzt – that’s it.

Gänzlich im Serienzustand beließ Ramanan übrigens auch den luxuriösen M5-Fahrgastraum, sodass selbst unwissende Passagiere auf den Slepper hereinfallen könnten – jedenfalls bis Ramanan das Gaspedal durchdrückt.

Specs

BMW M5 F10

Motor: V8-Ottomotor, Carbahn Auto S2-Umbau (Schmiedepleuel, Schmiedekolben, Upgrade-Nockenwellen, bearbeiteter Zylinderkopf), Pure Turbos Stage X-Turbo-Kit (zwei Garrett GTX 3076 Gen2-Turbolader mit Custom-Turbokrümmer, Pure Turbos CSF Series-Upgrade-Ladeluftkühler), Burger Motorsport-Wasser/Methanol-Einspritzung, BMW M5 Competition-Abgasanlage mit QTP-Cutouts und BMW M Performance/Akrapovic-Carbon-Endrohrummantelungen, DMETuning-Softwareoptimierung und zusätzlich Burger Motorsport JB4-Box für Ladedruck-Regelung und Kontrolle der Wasser/Methanol-Einspritzung

Hubraum: 4.395 ccm

Leistung: 1.095 PS bei 6.120 U/min (am Rad gemessen)

max. Drehmoment: 1.420 Nm bei 4.960 Nm

Leergewicht: 1.945 kg

Kraftübertragung: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit SSP Spec Z-Kupplungen (20 Scheiben), Carbon-Kardanwelle und geschmiedete Antriebswellen von Driveshaft Shop

Rad/Reifen: Rohana RF2-Schmiedefelgen in 9×20 und 11×20 Zoll, VA Michelin Pilot Super Sport in 265/35R20, HA Toyo Proxes R888-Semislicks in 315/30R20

Fahrwerk: BMW M5 Competition-Sportfahrwerk (Serie)

Bremsen: Serie

Karosserie: 3D-Style-Carbon-Frontspoilerlippe, Dach schwarz foliert, seitliche Kiemen geschwärzt, schwarzes M5-Emblem auf der Heckklappe

Text: Sebastian Brühl, Fotos: Viktor Benyi