Selfmade Wankel-Kombi
Ein Kombi mit Wankelmotor? Gab es nie?! Doch, gab es schon! Anfang der 1970er-Jahre wurden kleine Stückzahlen einer Kombi-Version des Mazda RX-3 angeboten. Und unter dessen Haube sorgte bekanntlich ein Kreiskolben-Motörchen für Vortrieb. Jedoch: Ein solches Auto in akzeptablem Zustand auf dem europäischen Markt aufzutreiben, das gelang trotz langjähriger Suche nicht mal den Wankel-Spezialisten von Weber Fahrzeugtechnik / JapanWerk RHG aus Geisenheim. Als diesen allerdings ein erstaunlich gut erhaltener 323 Variabel der Baureihe FA4 praktisch „vor die Füße fuhr“, war der Plan schnell gefasst: „Wenn wir keinen Wankel-Kombi kaufen können, dann bauen wir eben einen: den RX-323.“
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Zweischeiben-Wankel statt Reihenvierzylinder
JapanWerk RHG-Masterbrain Marius Weber-Prinz und sein Team pflanzten dem werksseitig natürlich von einem zahmen Reihenvierzylinder angetriebenen Kombi einen Streetport 13B-Zweischeiben-Wankelmotor samt elektronischer Einspritzanlage und Zündanlage sowie AEM-Benzinpumpe unter die Haube. Das dessen rund 180 PS via eines 5-Gang-Schaltgetriebes vom RX-7 SA/FB nicht – wie bei allen späteren Mazda-Kompaktklässlern – an die Vorder- sondern an die Hinterräder geschickt werden, vergrößert den Fahrspaß umso mehr. Denn elektronische „Spaßbremsen“ wie Traktionskontrolle oder ESP gibt es hier natürlich nicht. Untermalt wird das Ganze von charakteristischem Brabbeln und Röhren der in Resonanzbauweise maßangefertigten Abgasanlage.

Kombi als Entwicklungsträger
Zwischenzeitlich war übrigens sogar noch mehr Feuer unter der Haube. JapanWerk RHG nutzte den 323 als Entwicklungsfahrzeug für die hauseigenen Peripheral Port-13B-Motoren. In der Spitze kam ein solches Triebwerk im Kombi auf knapp 290 PS – bevor es in einen RX-3-Rennwagen umzog. Noch aus dieser Zeit stammt die Ausrüstung des Kombis mit einer eingeschweißten Sicherheitszelle und die hydraulische Flyoff-Handbremse. Denn wo der Kombi praktischerweise einmal so richtig wild unterwegs war, nutzte Marius das Auto auch gleich zur Teilnahme an lokalen Rallye-Events.

Rennsportliche Zutaten
Für reichlich Grip sorgten dabei die 195er Nankang AR-1-Semislicks, welche auf Japan Racing JR6-Felgen in 7,5×15 Zoll aufgezogen sind, sowie das BC Racing-Fahrwerk in Kombination mit einer Blocktieferlegung an der hinteren Starrachse. Bezahlt machen sich bei solch „hastiger“ Fortbewegung die Retro-Schalensitze von Sparco und das griffige Sportlenkrad. Durch dieses fällt der Blick auf ein digitales Tacho-Instrument. Ein Zitat typisch japanischen „Spieltrieb“ hingegen ist wohl die Tatsache, dass der Kombi von vorne bis hinten mit einem kunterbunten Auto-Spielteppich ausgelegt ist.
Kennern der Mazda-Historie könnte noch etwas aufgefallen sein: Um den Old School-Charakter noch zu unterstreichen verpasste JapanWerk RHG dem 1982er Kombi ein „Backdate“ auf die Frontpartie des Ur-323 (1977-1979) mit runden Scheinwerfern.
Weitere Informationen unter:
Weber Fahrzeugtechnik GbR / JapanWerk RHG
Industriestr. 32
65366 Geisenheim
Tel.: 06722 / 937 92 00
E-Mail: info@weber-auto-service․de
www.weber-auto-service.de
Technical Facts
Mazda 323 FA4 Variabel
Baujahr: 1982
Karosserie: Frontumbau auf Vor-Facelift-Modell
Motor: Mazda Streetsport 13B-Zweischeiben-Wankelmotor, elektronische Einspritzanlage und Zündanlage, AEM-Benzinpumpen, Eigenbau-Abgasanlage in Resonanzbauweise (54-mm-Krümmer, 76-mm-Mittelteil, 63-mm-Enschalldämpfer), ca. 180 PS
Kraftübertragung: 5-Gang-Schaltgetriebe vom RX-7 SA/FB, Heckantrieb
Fahrwerk: BC Racing-Fahrwerk, Blocktieferlegung an Starrachse hinten
Rad/Reifen: Japan Racing JR6-Felgen in 7,5×15 Zoll, Nankang AR-1-Semislicks in 195/50R15
Innenraum: Sicherheitszelle mit 45-mm-Hauptbügel und 40-mm-Versteifungen, Sparco-Sportsitze, digitale Instrumenteneinheit, Spielzeugteppich als Fußboden

