Honda Civic DX 3,2-Liter V6
Wenn man – so wie wir von der Maximum Tuner-Redaktion – viel in der Japan-Tuning-Community unterwegs ist, dann kennt man sie irgendwann alle, die ironisch „mitfühlenden“ Scherze, die sich Honda Civic-Fahrer von Besitzern großvolumigerer und/oder mittels Turbo aufgeladener Nissan-, Toyota-, Mitsubishi- oder Subaru-Besitzern anhören müssen: „Na, läuft dein Staubsauger schon?“ „Den Motor könnte ich prima als Anlasser für meinen 2JZ-GTE gebrauchen!“ Und so weiter und so fort.
Ob es Honda-Fan Jose Acosta aus dem sonnigen US-Bundesstaat Arizona irgendwann leid war, sich angesichts der stets von einem frei saugenden Vierzylinder angetriebenen Fahrzeuge in seiner Garageneinfahrt, dumme Sprüche anhören zu müssen, ist uns nicht überliefert. Jedenfalls aber fasste der Petrolhead eines Tages den festen Entschluss, einen Honda-V6 unter die Haube eines 1990er-Jahre-Civics quetschen zu wollen.
Acura CL Type-S als Organspender
Dass seine Schrauberkumpels ihn mit Sprüchen à la „Das funktioniert sowieso nicht!“ zusätzlich anstachelten, schürte seine Ambitionen zu einem solch aufwändigen Motor-Swap natürlich umso mehr. Und so kam es Jose sehr gelegen, dass ihm zufällig ein zwar völlig serienmäßiger aber dafür perfekt erhaltener Civic DX Hatchback aus dem Baujahr 1996 (entsprechend etwa einem hierzulande erhältlichen EK1) angeboten wurde.
Bei einem auf Honda- und Acura-Modelle spezialisierten Autoverwerter fand Jose einige Zeit später auch einen passenden „Organspender“, der sein starkes V6-Herz hergeben wollte: Das gut 260 PS und 315 Newtonmeter starke 3,2-Liter-VTEC-Triebwerk (J32A2) wurde aus einem verunfallten 2003er Acura CL Type-S ausgebaut.
Domani-Front
Das große Sechszylinder-Aggregat aber passte selbstverständlich nicht „einfach so“ in den engen Civic-Motorraum. Also wurde der Vorderwagen komplett umgebaut: Jose modifizierte diesen mit einer kompletten Frontpartie (Stoßstange, Grill, Scheinwerfer, Kotflügel) vom Honda Domani, einer viertürigen Kompaktklasse-Limousine, die in den 1990er Jahren in Asien und Kanada angeboten wurde und deren zweite Generation auf der Civic-Plattform basierte. So ließ sich der J32A2 dann in den Maschinenraum quetschen und passt – kombiniert mit einer Hasport Performance-Aufhängung, einem Mishimoto-Wasserkühler mit Slimline-Lüfter, einem RPM Systems J-Swap-Kabelbaum sowie einem polierten Air Intake mit „Pilz“-Luftfilter – nun zumindest in der Länge und in der Breite. Dass das V6-Triebwerk nach oben aus dem Motorraum heraussteht und sich in der Folge noch keine Motorhaube fand, die sich darüber schließen lassen würde, stört Jose nicht im geringsten. Denn erstens regnet es in Arizona ohnehin höchst selten und zweitens kann so wenigstens jeder sehen, welche Umbauleistung der Schrauber da vollbracht hat.
An die Vorderräder vermittelt wird die Sechszylinder-Power via des aus dem Acura CL-Unfallwagen ausgebauten 6-Gang-Schaltgetriebes sowie des dazugehörigen Sperrdifferenzials und belastbarer Hasport Performance-Antriebswellen.
Die Karosserie modifizierte Jose achtern zusätzlich mit einer Heckschürze vom Civic EK4 Si-R sowie einem Spoon-Dachspoiler. Die elektrischen Außenspiegel stammen vom Civic Type-R FN2. Dazu gibt es rundum weiße Blinker, sodass sich farbige Kontraste zur (originalen) Karosseriefarbe „New Vogue Silver“ auf die roten EK9-Rückleuchten beschränken.
Apexi-Gewinde und Integra-Bremsen
Dass sich die Gewichtsverteilung des Civics mit dem V6-Swap natürlich deutlich in Richtung Vorderachse verschob, liegt auf der Hand. Einer „Schieflage“ des Fahrzeugs wirkte Jose allerdings effektiv mit der Installation eines Apexi N1-Gewindefahrwerks entgegen, dem er zusätzlich Blox-Querlenker sowie eine ASR-Querlenker-Strebe an der Hinterachse sowie Civic Si-Stabilisatoren vorn und hinten zur Seite stellte. Als passende Rad/Reifen-Kombination wählte er Sprint Hart CP-R-Felgen der Größe 7×16 Zoll, die mit ihren weißen Sternen und polierten Stufenbetten gleichermaßen sportlich und schick wirken. Aufgezogen wurden Federal-Gummis der Dimension 195/40R16. Hinter den mit polierten Radmuttern fixierten Rädern warten an beiden Achsen Bremsanlagen vom Integra Type-R DC2 auf ihren Einsatz, die Jose mit Performance-Bremsscheiben und -Belägen nochmals bissiger machte.
Civic-Typen-Sammelsurium
Auch das Interieur ist – grob gesagt – ein Sammelsurium von OEM-Bauteilen verschiedener Honda Civic-Generationen: Das Armaturenbrett beispielsweise stammt vom europäischen EJ, die Instrumenteneinheit sowie die Teppiche vom EK9-Type-R und die in die Mittekonsole eingesetzten Cupholder vom 2000er Si. Während solche Details allerdings nur von Experten identifiziert werden, fällt das feuerroten Bride Ergo II-Gestühl garantiert auch JDM-Laien ins Auge. Dazu hielten ein dreispeichiges Momo-Volant mit Quick Release-Nabe sowie ein Spoon-Schaltknauf mit K-Tuned-Schaltwegverkürzung Einzig ins Cockpit.
Turbo-Upgrade in Planung
Mindestens zwei Dinge hat Jose bereits locker erreicht: Erstens hat seinen V6-Swap erfolgreich vollendet, ist er mit seinem Civic doch nahezu alltagstauglich unterwegs. Zweitens wird er dummen Sprüchen angesichts dieser Leistung und des potenten Civic-Triebwerks garantiert nicht mehr ausgesetzt sein.
Tech Facts
Honda Civic DX (EJ6)
Baujahr: 1996
Karosserie: Honda Domani-Front (Stoßstange, Grill, Scheinwerfer, Kotflügel), Honda Civic Si (2000)-Frontspoilerlippe, Heckschürze vom Civic EK4 Si-R, Rückleuchten vom Civic EK9 Type-R, Spoon-Dachspoiler, elektrische Außenspiegel vom Civic FN2 Type-R, weiße Blinker rundum
Motor: 3,2-Liter-V6-VTEC-Motor (J32A2), Mishimoto-Wasserkühler mit Slimline-Lüfter, polierter Air Intake mit „Pilz“-Luftfilter, RPM Systems J-Swap-Kabelbaum, Hasport Performance-Motoraufhängung, Spoon-Söckchen, Slimeline-Batterie, Custom-Abgasanlage, Acura CL Type-S-ECU, 260 PS / 315 Nm
Kraftübertragung: 6-Gang-Schaltgetriebe vom Acura CL Type-S, Sperrdifferenzial, Hasport Performance-Antriebswellen, K-Tuned-Schaltwegverkürzung
Fahrwerk: Apexi N1-Gewindefahrwerk, Blox-Querlenker hinten, ASR-Querlenker-Strebe, Civic Si-Stabilisatoren vorn und hinten
Rad/Reifen: Sprint Hart CP-R-Felgen in 7×16 Zoll mit weißen Sternen und polierten Stufenbetten, Federal-Bereifung in 195/40R16, polierte Radmuttern
Bremsen: Integra DC2 Type-R-Bremsanlage rundum, Performance-Bremsscheiben und -Beläge
Innenraum: rote Bride Ergo II-Sitze, EDM-Armaturenbrett, Civic EK9-Instrumente und -Teppiche, Spoon-Schaltknauf, Momo-Sportlenkrad mit Quick Release-Nabe, Civic Si (2000)-Cupholder
Multimedia: Kenwood-CD-Tuner
Danke an: meine Mutter, Andrew Blackhat, Erik Leon, John Verdugo, meine Freundin Brenda Meza, meinen Neffen Leo Rodriguez, Steve von Hmotorsonline.com
