50 Jahre Porsche-Gesamtsiege in Le Mans

Jubiläum einer beispielhaften Erfolgsgeschichte

Das 24-Stunden-Rennen in Le Mans ist alljährlich eines der absoluten Top-Highlights des Motorsport-Kalenders. Wer hier als Fahrer antritt, zumal wenn in einem der Autos, die um den Sieg fahren, kann sich des Respekts in der Racing-Welt sicher sein. Und für Fahrzeughersteller, die mit Werksteams antreten, ist der Gesamtsieg eine extrem prestigeträchtige Angelegenheit. In den vergangenen beiden Jahren konnte Toyota die Krone für sich beanspruchen, jedoch vor allem aufgrund mangelnder, gleichwertiger Konkurrenz. Denn nach Audi, die einen Großteil des aktuellen Jahrtausends dominiert hatten, zog sich auch Porsche nur vier Jahre nach dem Wiedereinstieg, in denen drei Gesamtsiege in Folge errungen wurden, wieder aus Le Mans zurück.

Doch nicht nur während dieses recht kurzen Intermezzos des 919 Hybrid in der LMP1-Klasse waren die Zuffenhausener extrem erfolgreich bei dem Motorsport-Klassiker in Frankreich, der schon 1927 erstmals stattfand: Der erste Gesamtsieg von Porsche in Le Mans liegt nämlich mittlerweile schon 50 Jahre zurück und feiert 2020 demzufolge ein ganz besonderes Jubiläum. Seitdem folgten noch viel weitere in verschiedenen Rennwagen, stets pilotiert von Meistern ihres Fachs wie Hans-Joachim-Stuck, Derek Bell oder Jacky Ickx, sodass Stand jetzt nicht weniger als neunzehn Gesamtsiege auf der Haben-Seite stehen – darunter mehrere durch Kundenteams.

917 Kurzheck gefolgt vom 936

Doch bleiben wir zunächst beim Anfang: Der erste Coup gelang 1970 mit dem durch Hans Herrmann und Richard Attwood gesteuerten 917 Kurzheck. Dessen Entwicklung gemäß dem neuen Regelwerk für die Sportwagen-Weltmeisterschaft war 1967 als Nachfolger für 907 und 908 gestartet. Der Wagen besaß einen 4,5-Liter-V12, der ihn mit seinen 580 PS auf bis zu 340 km/h beschleunigte. Schon im Folgejahr konnte der Erfolg wiederholt werden – erneut im 917 K, diesmal mit den Fahrern Helmut Marko und Gijs van Lennep. Bis zum nächsten Triumph dauerte es wiederum ein paar Jahre, er gelang 1976 im neuen 936, einem Spydermit 2,1-Liter-Sechszylinder-Boxer: Er fuhr dank 540 PS und seines extrem geringen Gewichts bis zu 360 km/h schnell. Dieses Fahrzeug konnte den Gesamtsieg gleich zweimal wiederholen, zum einen direkt im Folgejahr, zum anderen 1981 – bei jedem Mal war Jacky Ickx unter den Piloten.

935 ist 1979 der Schnellste

Und auch in der Zwischenzeit musste Porsche keine komplette Durststrecke durchleben. Zwischen dem zweiten und dem dritten 936-Sieg errang nämlich das Team Porsche Kremer Racing mit dem auf dem 911 basierenden 935 K3 den ersten Gesamtrang in Le Mans: Der 935 ist einer der erfolgreichsten Rennwagen der Geschichte, der mit seinen 590 PS, geschöpft aus einem 2,8-Liter-Sechszylinder (dem ersten bei Porsche mit wassergekühltem Zylinderkopf), bis zu 350 km/h erreichte. Dies genügte, um bei bei allen seinen Starts in Le Mans den Klassensieg zu erringen – und eben 1979 den Gesamtsieg. Am Steuer saßen dabei wechselweise Klaus Ludwig und die beiden US-Brüder Don und Bill Whittington.

Porsche wird Seriensieger

Der dritte 936-Sieg läutete 1981 endgültig eine Ära des fortwährenden Porsche-Erfolgs in Le Mans ein: Es folgte zwischen 1982 und 1987 eine ununterbrochene Serie von weiteren Triumphen, wobei als Fahrzeug jeweils der für 1982 komplett neu konstruierte 956 sowie dessen Weiterentwicklungen 956 B und 962 C diente. In den ersten Jahren sorgte ein 2,6-Liter-Boxersechszylinder mit Turbo-Aufladung und 620 PS für bis zu 360 km/h, später im maximal 350 km/h schnellen 962 C ein Dreiliter-Turbo-Sechszylinder mit 700 PS. Besonders herausragend waren dabei die Performances in den Jahren 1983 und 1984 sowie 1986: Im erstgenannten Jahr wurden die ersten acht Plätze von 956 belegt, ein bis heute ungebrochener Rekord, in den beiden anderen Jahren konnte diese Dominanz beinahe wiederholt werden, als Porsche jeweils die ersten sieben Plätze holte. Nach dem 12. Le Mans-Erfolg 1987 wurde es schließlich wieder ruhiger um die Zuffenhausener. Erst 1994 gelang gemeinsam mit Dauer in einem fortentwickelten 962 der nächste Triumph. 1996 und 1997 feierte das Kundenteam Joest Racing Rücken an Rücken zwei Gesamtsiege mit einem 540 PS starken und 320 km/h schnellen, von Porsche aufgekauften WSC-95 Spyder-Prototypen, der in Eigenregie weiterentwickelt wurden. Beide Jahre war der Wagen unschlagbar schnell, sogar die neu entwickelten, werkseitig von Porsche eingesetzten 911 GT1 hatten keine Chance. So war letzterem – 600 PS stark – der Sieg auf dem Circuit de la Sarthe erst im Folgejahr beschieden. Zugleich war 1998 für lange Zeit das letzte als Werksteam in Le Mans, es dauerte über 15 Jahre bis zum eingangs thematisierten Wiedereinstieg in die Prototypen-Klasse. Da bleibt nur zu hoffen, dass die nächste Rückkehr etwas schneller kommt …

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