Tracktool – was ist das?

Tracktool – eine in Kreisen von Motorsport- und auch Tuning-affinen Autofahrern gerne genutzte und auch im  Performance Magazin häufig verwendete Bezeichnung. Doch: Was ist eigentlich ein Tracktool?
Da diese Bezeichnung weder geschützt noch durch ein offizielles Reglement defininiert ist, möchten wir unsere Anforderungen an Tracktool, das diese Bezeichnung auch verdient, darlegen.

Zunächst einmal unterscheidet sich ein Tracktool unserer Auffassung nach von einem reinrassigen Rennwagen in der Hauptsache dadurch, dass es für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen ist und seine Anreise zur Rennstrecke damit auf eigener Achse absolvieren. Die darüber hinausgehende Nutzbarkeit eines Tracktools als Alltagsfahrzeug DARF gegeben sein, MUSS aber nicht. In der Praxis wird ihr Rennstrecken-Spielzeug vielen Tracktool-Besitzern für den Alltag schlicht zu unbequem sein.
Grundsätzlich gilt es zudem zwischen zwei verschiedenen Gattungen von Tracktools zu unterscheiden: Jenen, die als „fertiges“ Tracktool vom Band liefen und jenen, die erst durch nachträgliche Auf- und Umrüstungen für die Nutzung auf der Rennstrecke präpariert wurden. Während zu ersterer Gattung in der Hauptsache hochkarätige Sportwagen à la Porsche 911 GT2 RS, Lamborghini Huracan Performante oder BMW M4 GTS zählen, können Exemplare letzterer Gruppe grundsätzlich auf den meisten Fahrzeugklassen basieren. Lediglich schwere Limousinen, SUVs und Vans erscheinen uns für den Aufbau eines Tracktools grundsätzlich ungeeignet.

Nicht die PS-Zahl macht ein Auto zum Tracktool

Dies führt uns auch gleich zur im Zusammenhang mit Tracktools wohl populärsten Frage: Wie viele PS muss ein Tracktool haben? Diese Frage lässt sich meiner Ansicht nach in ihrer hier gestellten Form nicht beantworten. Denn viel wichtiger als die absolute PS-Zahl eines Tracktools ist dessen Power in Relation zum Fahrzeuggewicht. So gibt etwa ein „nur“ knapp 230 starker, dafür aber auch nur 1.170 kg leichter Honda Civic Type R ein sehr veritables Tracktool ab, welches deutlich stärker motorisierten Oberklasse-Limousinen auf kurvigen Rennstrecken locker um die Ohren fährt. Um sich in puncto Leistungsgewicht aber doch auf eine Zahl festzulegen: Ich persönlich denke, dass auch ein Einsteiger-Tracktool nicht mehr als 7,5-8,0 Kilogramm pro PS schleppen sollte. Dieses Verhältnis findet sich etwa beim Suzuki Swift Sport (136 PS / 1.060 kg), welchen Tracktool-Vermieter wir RentRaceCar oder Rent4Ring als Einsteigerfahrzeug anbieten.
Im Sinne von Performance und Sicherheit gleichermaßen sollte ein Tracktool über kräftige und standfeste Bremsen verfügen. Die Anlagen „normaler“ Straßenfahrzeuge sind mit den hohen Track-Belastungen häufig überfordert und quittieren nach einigen schnellen Runden übelriechend und/oder quietschend den Dienst. Ein Minimum stellt im Sinne einer daher das Upgrade für den Motorsport konstuierter Bremsbeläge dar, insbesondere die Vorderachse sollte darüber hinaus – je nach Ausstattung des Basisfahrzeugs – bei Bedarf mit neuen Sätteln und Scheiben ausgerüstet werden.

Grip ist das A und O

Allein mit einer Tieferlegung durch Sportfedern ist ein Tracktool nicht ausreichend gerüstet. Mindestens sollte ein Sport- oder Gewindefahrwerk an Bord sein, welches entweder über ein vom Fachmann an das Fahrzeug angepasstes fixes Setup oder – für fortgeschrittene Tracktool-Fahrer – über justierbare Zug- und Druckstufendämpfungen sowie ggf. Spur- und Sturzwerte verfügt. Weitere sinnvolle Upgrades sind Stabilisatoren und andere versteifende Fahrwerkselemente sowie – häufig unterschätzt – PU-Fahrwerksbuchsen.
Während Anfänger ihr Tracktool zunächst auch mit normaler Straßenbereifung bestücken dürfen, welche im Regelfall einen breiteren Grenzbereich bietet, werden fortgeschrittene Track-Piloten sehr bald die Vorzüge spezieller Sportreifen-Mischungen und/oder profilarmer Semislicks zu schätzen lernen. Komplett profillose Slicks sind, schon aus Gründen der eingangs erwähnten Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr, den reinrassigen Rennwagen vorbehalten. Aufgezogen sollten die Reifen auf möglichst leichtgewichtige Felgen, um die ungefederten Massen zu reduzieren und somit die Fahrdynamik zu optimieren.

Spoiler? Nur wenn sie die Aerodynamik verbessern!

Spoiler, Flügel und weitergehende Aerodynamik-Komponenten? Sie gehören nicht zum Pflichtprogramm eines Tracktools, sind jedoch optional nice to have, sofern sie dem Grundsatz „form follow function“ gemäß gewählt wurden und so den aerodynamischen Grip des Fahrzeugs und/oder die Balance des Fahrzeugs optimieren.

Sicherheit geht vor!

Deutlich weiter oben – nämlich gleich in den ersten Zeilen – eines Tracktool-Lastenhefts steht das Thema Sicherheit: So sollte ein jedes Tracktool, welches auf Rennstrecken-Asphalt bewegt wird, mindestens (!) mit einem abgestützten und verstrebten Clubsport-Überrollbügel ausgerüstet sein, besser noch mit einem die Insassen komplett umschließenden Überrollkäfig. Ambitionierten Track-Piloten sei die Installation einer fest ins Fahrzeug eingeschweißen Sicherheitszelle mit Flankenschutz und Co. ans Herz gelegt – sie bietet bestmöglichen Schutz bei einem Crash.
Ebenfalls ins Cockpit eines Tracktools gehören Sport- oder Schalensitze mit stabilen Seitenwangen, welche dem Piloten in Kombination mit ebenfalls obligatorischen, Vier-, Fünf- oder Sechspunkt-Gurten verlässlichen Halt bieten. Dies ermöglicht ein deutlich entspannteres Fahren und ist für die Sicherheit unerlässlich. Gerner dürfen im Cockpit eines Tracktools abschließend das Gewicht reduzierende Umbaumaßnahmen vorgenommen werden.