VW 1200 – Karl der Käfair

VW 1200 - Karl der Käfair

Karl der Käfair

Bei der Entstehung dieses VW 1200 in seinem abgebildeten Zustand hatte der Zufall gehörig seine Finger im Spiel. Verantwortlich für den ab Ende 2023 erfolgten Umbau ist Björn Dickebohm aus Oldenburg. Dabei war zunächst alles ganz anders geplant: Sein Sohn hatte den Oldie nämlich 2020 im zarten Alter von 14 Jahren als sein erstes Projektauto gekauft. Die Entscheidung des Filius, einen Baja Bug bauen zu wollen, veranlasste Björn allerdings zur Intervention. Der Beschluss: Basis für das Vorhaben sollte ein anderer Käfer und nicht der bestehende Dickholmer werden. Letzteren übernahm Björn schließlich selbst und ersann für ihn eine recht außergewöhnliche Individualisierung.

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„Ich wollte mal etwas umsetzen, was ich normalerweise eigentlich nicht machen würde. Dabei planten wir mit dem Ganzen keineswegs, irgendwie Aufmerksamkeit zu erregen, sondern realisierten den Umbau einfach nur zu unserem eigenen Vergnügen.“ Das mit der Aufmerksamkeit ergab sich trotzdem zwangsläufig, denn nach Fertigstellung wusste der Käfer bei Treffen auf Anhieb zu überzeugen und erlangte große Bekanntheit. Auch Martin Schulze aus Zerbst/Anhalt nahe Magdeburg fand Gefallen an dem Fahrzeug: Er ist seit einigen Monaten der aktuelle Besitzer von – wie er ihn nennt – Karl, dem Käfair. Doch was genau macht den VW so speziell?

Patina trifft Tischdecke

Nun, das 1962er Häuschen blieb abgesehen von einer Säuberung mittels Einsstrahlens weitgehend im Originalzustand erhalten. Dies schließt bewusst die Patina ein, welche sich im Laufe eines jahrzehntelangen Autolebens auf der weiß lackierten Karosse ausgebreitet hat. So resultierte ein ziemlich „rattiger“ Look. Nur wenige, beim Käfer üblicherweise besonders rostanfällige Bereiche wurden erneuert, etwa die Heizkanäle und die Endspitzen vorne wie hinten. Das Dach bekam als Highlight eine glitzernde, lilafarbene Lackierung, deren Musterung mithilfe einer Spitzen-Tischdecke entstand. Weitere individuelle Details sind der zusätzliche Nebelscheinwerfer am Bug, nachgerüstete 60er-Jahre-Ausstellfenster und die dritte Bremsleuchte am Heck.

Extravagante Felgen-Wahl

Einen untypischen Weg ging Björn auch hinsichtlich der Räder. Sie stammen von Porsche. Es handelt sich aber nicht um die in der Community sehr populären Fuchs-Felgen. Stattdessen sind es 5,5×15-zöllige Pedrinis vom 914 – eine am Käfer selten gesehene Wahl. Um sie zu ermöglichen, musste der Lochkreis-Wechsel auf 4×130 erfolgen. Vorne gelang dies durch die Installation der Scheibenbremsanlagen eines 1967er 1500, welche die Nabe mit dem richtigen Lochkreis gleich mitbrachten. Hinten sind die Trommelbremsen entsprechend angepasst. Die Bereifungen messen vorne 165/65R15 und hinten 195/70R15. Die Tieferlegung des Käfers ist – wie sein Spitzname schon andeutet – einem null-bar-Luftfahrwerk samt Streetec-Steuerung und Gamechanger-Vorderachse zu verdanken.

VW 1200 - Karl der Käfair

Technisch umfangreich revidiert

Auch der Rest der Technik ist tiefgreifend überarbeitet. So steckt im Heck ein 1.570-ccm-Typ 1. Bei der kompletten Revision von dessen Motorrumpf wurden unter anderem die Kurbelwellen-Lagergassen neu aufgespindelt. Während die Pleuel und Kurbelwelle aufbereitet erhalten blieben, sind die Zylinder und Kolben neu. Selbiges gilt für den Zündverteiler. Zudem ist das 50 PS starke Aggregat mit einem Solex 39-Vergaser ausgerüstet. Diverse Anbauteile behielt Björn original bei. Er arbeitete sie lediglich auf, wobei er Alterungsspuren nicht gänzlich entfernte. So ist selbst im Motorraum ein Hauch von „Ratte“ zu spüren. Die Kraftübertragung auf die Straße gewährleistet ein überholtes Viergang-Schaltgetriebe vom Karmann-Ghia Typ 14. Es ermöglicht mit seinem länger übersetzten vierten Gang ein komfortableres Fahren bei höheren Geschwindigkeiten. Für eine originalgetreuere Optik kombinierte Björn es mit den kürzeren Pendelachsrohren vom Käfer. Ferner erleichtern verstellbare Achsschwerter die Feinjustierung der Tieferlegung. Ebenfalls gänzlich neu aufgebaut sind last but not least die von einem 1958er 1200 stammende Bodengruppe und der Kabelbaum.

VW 1200 - Karl der Käfair VW 1200 - Karl der Käfair

Interieur weitgehend original

Im Innenraum geht es wieder originalgetreuer zu – samt beibehaltener Abnutzungsspuren. So sind diverse patinierte Originalteile zu finden: von den Sitzen über die Türverkleidungen und den Stoff-Dachhimmel bis hin zur leicht beschädigten und nur gereinigten Kamei-Hutablage. Selbst die Teppiche übernahm Björn soweit wie möglich. Ganz ohne Upgrades kommt das Cockpit aber dennoch nicht aus. Neben dem Lenkrad sitzt mittig auf dem Armaturenbrett ein großer, beleuchteter Drehzahlmesser. Zudem erhielt der Käfair einen Short Shifter mit weit aufragendem Schalthebel, sodass der Weg vom Lenkrad zum Knauf sehr kurz ist.

Übrigens: Seit unserem Fotoshooting sind einige Monate vergangen. Über den Winter setzt Martin gerade eine umfangreichen Überarbeitung des VW um, wobei er ihn sicher noch ein wenig mehr seinem ganz persönlichen Geschmack angleicht. Man kann also gespannt sein, wie Karl in der neuen Saison auf die Straße rollt.

Technical Facts

VW 1200

Baujahr: 1958/1962

Karosserie: Reinigung mit Eisstrahlen (Kofferraum, Motorraum, Häuschen), Zusatzleuchte an der Front (Nebelscheinwerfer), Ausstellfenster nachgerüstet, drittes Bremslicht am Heck, Heizungskanäle komplett erneuert, Endspitzen vorne und hinten erneuert, originaler Lack mit Patina und lilafarbener Glitzer-Tischdecken-Lackierung auf dem Dach

Motor: 1.570-ccm-Typ-1-Vierzylinder-Boxermotor, Motorrumpf revidiert (Kurbelwellen-Lagergassen neu aufgespindelt etc.), Solex 39-Vergaser, Zündverteiler erneuert (kontaktlose Zündung), Zylinder und Kolben erneuert, Pleuel und Kurbelwelle aufbereitet, Anbauteile aufbereitet (Patina erhalten), 50 PS

Kraftübertragung: Viergang-Schaltgetriebe vom Karmann-Ghia Typ 14 (länger übersetzter vierter Gang), komplett überholt

Fahrwerk: null-bar-Luftfahrwerk mit Streetec-Steuerung, Gamechanger-Vorderachse, Pendelachse hinten mit kurzen Käfer-Achsrohren und verstellbaren Achsschwertern

Rad/Reifen: Pedrini-Felgen vom Porsche 914 in 5,5×15 Zoll ET40 mit Bereifung in 165/65R15 und 195/70R15

Bremsen: VA Scheibenbremsen mit 278-mm-Scheiben vom 1967er VW 1500, HA Trommelbremsen, Stahlflex-Leitungen

Innenraum: weitgehend im originalen, patinierten Zustand erhalten (Sitze, Türverkleidungen, Stoff-Dachhimmel, Kamei-Hutablage), Short Shifter mit hoch aufragendem Hebel, großer beleuchteter Drehzahlmesser ergänzt, Teppiche teilweise original

Sonstiges: Bodengruppe komplett erneuert, Kabelbaum erneuert