„Es braucht Zeit, den V8 in den Charger zu integrieren“
Wir trafen anlässlich der europäischen Markteinführung des Charger Matt McAlear, CEO von Dodge North America, im norditalienischen Balocco zum Interview. Wir haben mit ihm nicht nur über das bisher als elektrischer Daytona und mit Hurricane-Reihensechszylinder verfügbare Muscle Car gesprochen, sondern zudem über den HEMI-V8 und die Zukunft der Marke Dodge.
Cars & Stripes: Hallo Herr McAlear. Danke, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen! Während der Charger in Europa gerade startet, ist er in den USA schon länger erhältlich. Welche Erfahrungen haben Sie seitdem mit dem Auto gemacht?
Matt McAlear: Wir haben den Daytona Anfang letzten Jahres auf den Markt gebracht und die Sixpack-Modelle früher in diesem Jahr. In den USA und Kanada hatten wir also einen zeitversetzten Rollout und erst seit ein paar Monaten sind alle Varianten verfügbar. Wir sehen bisher jeden Monat eine positive Entwicklung, da wir fortwährend daran arbeiten, die Bekanntheit weiter zu erhöhen, vor allem die der Sixpack-Charger. Die Akzeptanz steigt, vor allem im Norden, da Allradantrieb nun Standard ist.
Wir sprechen auch eine neue Kunden-Generation an, die den Charger als Daily Driver nutzen kann statt nur als Zweitwagen fürs Wochenende. Wir ändern also die Sichtweise auf das Auto. Es gibt noch viele Menschen, die nicht mit der Biturbo-Reihensechszylinder-Technologie vertraut sind. Doch hier ändert sich die Wahrnehmung, seit Tuner daran arbeiten, das Maximum an Pferdestärken aus dem Auto herauszuholen. Manche haben den Sixpack bereits auf 900 bis 1.000 PS am Rad gepusht.
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CS: Was sind Ihre Erwartungen an den Dodge Charger im europäischen Markt?
M. McA.: Ich denke, dass der Wagen gut für Europa geeignet ist. Vor allem, da wir jetzt zwei Technologien anbieten und batterieelektrische Autos hier noch populärer sind als aktuell in den USA. Daher freue ich mich sehr, den Kunden diese Technologie nun anbieten zu können. In der letzten Modellgeneration war es in Europa so, dass wir mehr zweitürige Challenger als viertürige Charger verkauft haben. Der neue Charger bietet die Möglichkeit, diese europäische Nachfrage zu erfüllen.
Wir haben ein Auto mit zwei Türen, aber zugleich einem sehr geräumigen Innenraum – mit mehr Platz als im vorherigen Challenger. Für europäische Käufer, die nach einem Auto suchen, das sich von allem anderen auf der Straße unterscheidet und zugleich vier bis fünf Insassen samt Gepäck aufnehmen kann – da gibt es kaum etwas Vergleichbares zum Charger, der als mutiges, unverfrorenes Auto mit einzigartiger Optik heraussticht.
CS: In den USA debütierte kürzlich das neue Topmodell Super Bee. Wird diese Version später auch nach Europa kommen?
M. McA.: Ja, das planen wir im Laufe des nächsten Jahres. Auch in den USA startet der Super Bee nicht vor Anfang nächsten Jahres. Danach werden wir an der Einführung in Europa arbeiten. Wir haben Pläne, das gesamte Charger-Portfolio weiterzuentwickeln. Da muss man nur schauen, was wir mit der vorherigen Modellgeneration über 15 Jahre hinweg gemacht haben – wir fangen gerade erst an!

CS: Das führt zur nächsten Frage: Sie deuten immer wieder an, dass wir noch mehr von SRT erwarten können. Und bei Ram sahen wir, dass der Abschied vom HEMI kritisch aufgenommen wurde, die Wiedereinführung hingegen sehr euphorisch. Wie kommentieren Sie dies?
M. McA.: Beim Durango haben wir den V8 ja auch zurückgebracht. Da wurde einer der Achtzylinder gestrichen, dann haben wir ihn zurückgebracht. Ram hat ihn wieder in die Trucks gebracht. Wichtig ist dabei das Wort „zurückgebracht“. Es gab das Auto früher bereits mit V8. Wir mussten also nichts neu entwickeln, sondern nur die bestehende Basis reaktivieren und den Motor wieder einsetzen. Im Falle des Charger haben wir hingegen ein völlig neues Auto mit einer komplett neuen Plattform. Wir haben den Wagen vier Jahre lang entwickelt, ohne uns dabei mit dem V8 zu beschäftigen.
Es ist aber nicht so, dass wir den V8 nicht in den Charger bringen können. Es ist auch nicht so, dass wir nicht planen, dies zu tun. Aber es braucht seine Zeit, den V8 von Grund auf wieder in das Auto zu integrieren. Wir haben noch nicht genau verkündet, woran SRT arbeitet. Aber wir sagen immer, dass ein SRT das größte, krasseste, schnellste und stärkste Auto sein muss, das wir bauen können. Und so wird es auch kommen, das kann ich versprechen.

CS: Das klingt, als wäre die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass der HEMI in den Charger zurückkommt, obwohl dies ursprünglich nicht geplant war. Hat das auch mit dem Copperhead zu tun, der vor ein paar Monaten angeteasert wurde?
M. McA.: Wir haben zur Motorisierung des Copperheads noch nichts bestätigt. Der Copperhead wird ein – wie wir es nennen – Hyper Muscle Car. Es ist kein Charger, sondern ein eigenständiges Auto. Aber mehr als das können wir aktuell noch nicht dazu sagen.
CS: Was waren die Gründe, den HEMI zurück in den Durango und den Ram zu bringen? War es vielleicht ein Fehler, den V8 mit dem Hurricane zu ersetzen?
M. McA.: Der Hauptgrund für die Wiedereinführung waren die geänderten politischen Rahmenbedingungen in den USA bezüglich der Vorgaben zur Kraftstoffeffizienz. Durch den Regierungswechsel im Weißen Haus und die Lockerung einiger Vorschriften zu Treibhausgasen und Emissionen konnten wir den V8 zurückbringen. Zu der Zeit, als die Entscheidung getroffen wurde, den V8 zu streichen, war sie wahrscheinlich richtig. Aber wir mussten geschickt und reaktionsfreudig bleiben, nicht nur mit Blick auf die Veränderungen in der politischen Landschaft, sondern auch auf die Nachfrage der Kunden. Es ist unser Job, den Kunden das zu bieten, was sie wollen, und zugleich die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.

CS: Schauen wir abschließend nochmals voraus in die Zukunft. Was können wir von Dodge nach dem Super Bee erwarten, auch abseits der beiden aktuellen Modelle Charger und Durango?
M. McA.: Unser „FaSTLAne 2030“-Plan umfasst nicht nur den Copperhead, sondern auch den GLH, ein Einstiegsmodell unterhalb des Chargers. Wir werden die Marke Dodge stetig weiterentwickeln. Alles, was wir auf den Markt bringen, wird im jeweiligen Segment eine erstklassige Performance bieten. Wir wollen nicht einfach ein „Me-too-Produkt“ bringen, nur um in ein Segment einzusteigen und dann wie jeder andere zu sein. Unsere Modelle sollen der Dodge im Segment sein, die sich durch hervorragende Performance abheben, einzigartig, mutig sowie unangepasst sind und Spaß bereiten. Erwartet also keine austauschbaren „Me-too-Autos“ von uns – die wird es nicht geben!
CS: Der Durango ist schon viele Jahre auf dem Markt. Ist auch hier ein neues Modell in Sicht?
M. McA.: Wir haben schon angekündigt, dass wir Ende nächsten Jahres ein Facelift des aktuellen Durango bringen werden. Und als Teil der „FaSTLAne 2030“-Strategie haben wir auch Pläne für einen komplett neuen Nachfolger.

CS: Obwohl der Charger nun auch als Zweitürer erhältlich ist: Gibt es eine Möglichkeit, dass irgendwann irgendwie der Challenger zurückkommt?
M. McA.: Da ist noch nichts in Diskussion. Wir haben noch nichts angekündigt. Aber wir überlegen fortwährend, wie wir die Marke weiterentwickeln können, haben also immer Ideen auf dem Reißbrett.

