La bella macchina

Auch als langjähriger und entsprechend „abgebrühter“ Tuning-Redakteur bekommt man im Rahmen seiner Arbeit immer wieder neue Dinge zu sehen und zu hören, über die man noch lange sprechen und lachen wird. Beim letztjährige BMW-Syndikat Asphaltfieber, dem weltgrößten BMW- und MINI-Treffen auf dem Flugplatz Obermehler-Schlotheim, beispielsweise trug sich folgendes zu: Also Juri Sanzaro und seine Begleiter ihren drei BMWs auf einem Parkstreifen neben der eigentlichen Einbahn-Ringstraße rund um das riesige Areal abstellten, erschien nach wenigen Minuten eine Ordnerin und bat sie freundlich, die Fahrzeuge dort von dort zu entfernen. Auf die ebenso freundliche Erwiderung der Jungs, dass sie Autos aber doch gar nicht im Weg stünden, rang die junge Frau sichtlich nach Worten, um ihre Weisung dann sinngemäß wie folgt zu begründen: „Ja, das stimmt. Aber hier bleiben gerade so viele Leute und Autos stehen, die sich eure Autos anschauen wollen, dass diese dann die Wege verstopfen, sodass wir bald ein echtes Verkehrschaos bekommen.“ Yuri verstand die Welt nicht mehr. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn der 32-jährige Kfz-Mechaniker stammt aus dem in der norditalienischen Region Lombardei gelegenen Örtchen Ronco Briantino – und spricht kaum ein Wort Deutsch.

„Zu schön“ für die erste Reihe

Doch auch nach der fachkundigen Übersetzung durch seinen sowohl deutsch- als auch italienischsprachigen Kumpel Damiani Di Viesti, welcher Szene-Kennern in erster Linie als in Diensten von V-Unlimited stehender Airride-Experte bekannt ist, konnten die Jungs die Argumentationslage nicht wirklich nachvollziehen. Bevor allerdings eine Diskussion darüber entbrennen konnte, ob getunte Autos wirklich „zu schön“ sein können, um den Besuchern eines Tuning-Treffens in erster Reihe dargeboten zu werden, löste sich das Problem von selbst, indem die junge Dame durch Zuruf an einer andere Einsatzstelle beordert wurde und daraufhin auf die Kontrolle der Durchführung ihrer Anordnung verzichtete. Was selbstverständlich zur Folge hatte, dass die Fahrzeuge genau dort blieben, wo sie waren. Insgeheim freuten sich Yuri und seine Begleiter natürlich über das in dem Rüffel versteckte Kompliment, ist es doch allemal eine Anerkennung, dass gleich die Befürchtung eines Massenauflaufs entsteht, sobald man sein Auto inmitten des weltgrößten BMW- und MINI-Treffens abstellt.

1.000-Euro-Schnäppchen

Was von den zahlreichen Betrachtern wohl niemand ahnte: Das Basisfahrzeug des die Blicke mit seiner leuchtenden Violett Perleffekt-Farbgebung, seinen extravaganten Rad/Reifen-Kombinationen und seiner brutalen Tieferlegung auf sich ziehenden E39-Projekts erwarb Yuri für schlappe 1.000 Euro aus der Hand der Nachbarn, in dessen Garage die bayerische Limo mehr als zehn Jahr lang unbewegt geschlafen hatte.
Die Karosserie des einst recht biederen E39 520i wurde lediglich mit originalen BMW M-Schürzen und -Außenspiegeln auf den Look des großen Bruders M5 getrimmt. Während aus dem Heck des V8-Topmodells allerdings bereits werksseitig vier Endrohre herausragen, wurde der Heckschürzeneinsatz an Yuris 520er einfach komplett verschlossen. Während die Nieren und der Kühlergrill sowie die Stoßleisten rundum in Wagenfarbe lackiert wurden, tragen die Carbon-BMW-Embleme ein monochromes Farbschema.

Custom-Dreiteiler in 12×20 Zoll

Bei den Rädern handelt es sich um in dieser Form einzigartige Dreiteiler, die Yuris Landsmann Roberto Tasca nach dessen Maßen und Wünschen für ihn anfertigte. Angesicht der Dimensionen von 10,5×19 Zoll ET0 an der Vorder- und sogar 12×20 Zoll ET12 an der Hinterachse stecken die mit ihrer Durchlöcherung an einen schweizer Käse erinnernden Frässterne extrem tief in ihren polierten Edelstahl-Betten. Bezogen wurden die Felgen-Unikate mit Falken-Bereifung der Größen 245/30R19 an der Lenk- und 295/25R20 an der Antriebsachse. Apropos Achse: Um diese gewaltigen Rad/Reifen-Kombinationen ohne größere Karosseriearbeiten in den BMW-Radhäusern unterzubringen, musste die Hinterachse stark modifiziert – im Klartext: gekürzt – werden.
Um eine Sonderanfertigung handelt es sich auch beim installierten Luftfahrwerk, dessen Extremitäten sich aus mit TA Technix-Gewindefederbeinen kombinierten Universal-Bälgen zusammensetzen. Letztere werden von zwei Viair 444c-Kompressoren mit Druckluft versorgt und manuell mittels Swiches in der Mittelkonsole gesteuert.

Nobles Interieur in Cremeweiß

Mehr als lohnenswert ist ein Blick in den Fahrgastraum der Limousine. Denn während ihr Äußeres mit Farbenpracht prahlt, geht es innen mit vornehmer Noblesse zu: Hier findet sich eine Volllederausstattung in Cremeweiß mit violetten Nähten und rautierten Absteppungen, deren Prunkstücke zweifellos die aus einem Audi RS6 in den E39 umgezogenen Sportsitze sind. Daneben wurden auch die Rücksitzbank, die Türverkleidungen, das Armaturenbrett und die Mittelkonsole, das Lenkrad sowie die Manschetten von Schalt- und Handbremshebel mit feinem Leder veredelt. Der Dachhimmel indes wurde aus farblich passendem Alcantara angefertigt.

 

 

Technical Facts

BMW E39 520i

Baujahr: 1996

Karosserie: Umbau auf M-Paket (Front- und Heckstoßstange, Außenspiegel) mit Originalteilen, Heckschürzeneinsatz geschlossen, Lackierung in Violett Perleffekt (Sondermischung), Nieren und Kühlergrill in Wagenfarbe, Carbon-BMW-Embleme

Motor: 2,0-Liter-Reihensechszylinder (M52B20), 150 PS

Fahrwerk: Luftfahrwerk (Sonderanfertigung) mit TA Technix-Gewindefederbeinen und Universal-Bägeln (VA 2-Falten-Bälge, HA 3-Falten-Bälge), zwei Viair 444c-Kompressoren, manuelle Ansteuerung, HA stark modifiziert

Rad/Reifen: Custom-Wheels (Sonderanfertigung) in 10,5×19 Zoll ET0 und 12×20 Zoll ET12, Falken-Bereifung in 245/30R19 und 295/25R20

Innenraum: Volllederausstattung in Cremeweiß mit violetten Nähten (Sitze vom Audi RS6, Rücksitzbank, Türverkleidungen, Lenkrad, Armaturenbrett und Mittelkonsole, Schaltsack, Handbremssack, Säulen etc.), Alcantara-Dachhimmel in Cremeweiß