Gordon’s Greatest Hit Reborn
Gordon Murray ist vielen Petrolheads und Supersportwagen-Fans sicher ein Begriff. In Südafrika geboren, kam er nach dem Maschinenbau-Studium um 1970 herum nach England. Während er dort zunächst als Rennwagen-Konstrukteur und später Technischer Leiter bei Brabham arbeitete, führte sein Weg 1986 zu McLaren. Dort war er nicht nur erneut am Bau von Formel 1-Wagen beteiligt. Zudem setzte er sich mit dem legendären Straßen-Sportwagen F1 ein Denkmal, den er als Chef-Designer federführend entwickelte.
Nachdem Murray McLaren 2005 verlassen hatte, machte er sich selbstständig. So baut er unter dem Label Gordon Murray Automotive Sportwagen in Kleinserie, die quasi in der Tradition seines Meisterwerks F1 stehen. Nun ging er mit der Gründung des Schwesterunternehmens Gordon Murray Special Vehicles (GMSV) einen Schritt weiter: Es wird noch exklusiver! Es sollen Einzelstücke im Kundenauftrag und Sondermodelle in extrem geringer Auflage entstehen, gerne in Reminiszenz an Baureihen vergangener Tage.
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Modernisiertes F1-Design
Die Marke GMSV feierte im August bei der Monterey Car Week Weltpremiere – samt der ersten beiden Baureihen. Eines dieser Modelle ist der hier gezeigte S1 LM. Die namentliche Nähe zum McLaren F1 kommt nicht von Ungefähr. Das Auto ist offensichtlich eine im Kundenauftrag als Teil der „Bespoke“-Produktlinie konzipierte Neuinterpretation des 90er Jahre-McLarens. Vorbild war genau gesagt der F1 GTR, der 1995 das 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewann. Zudem soll S1 die Abkürzung für „Special One“ sein.
Optisch bleibt das Modell nah am F1, das zeitlose Design wurde grundsätzlich sehr originalgetreu erhalten. Dennoch ist die Karosse komplett aus Carbon gefertigt und manche Details sind modernisiert und umgestaltet. Dies gilt etwa für die Frontschürze mit enorm vergrößerten Lufteinlässen, die Scheinwerfer und die Rückleuchten. Ein Aero-Paket optimiert mit Frontsplitter, Diffusor und zweiteiligen Heckflügel den Abtrieb und die Fahrstabilität. Die geschmiedeten Fünf-Speichen-Felgen messen vorne 10×19 und hinten 12×20 Zoll.

Kraftstrotzender V12
Diese Räder schaffen auch Platz für großformatige Carbon-Keramik-Bremsanlagen: Vorne sitzen Sechs-Kolben-Sättel auf 370-mm-Scheiben, hinten Vier-Kolben-Sättel auf 340-mm-Scheiben. Gut so, denn dem gegenüber stehen 730 PS und 470 Nm, generiert von einem 4,3-Liter-Cosworth-V12. Der Motor dreht extrem hoch, bis zu 12.100 Umdrehungen – das sind fast schon Motorrad-Sphären! Auf die Straße übertragen wird die Power mittels eines Sechsgang-Handschaltgetriebes samt Drei-Scheiben-Kupplung. Ein Sperrdifferenzial ist ebenfalls an Bord. Das Fahrwerk bietet Pushrod-Federbeine und Doppelquerlenker-Achsen. Ergänzend gibt es geschmiedete Achsschenkel und an der Front unterstützt ein Stabilisator die Fahrpräzision.

Dreisitziges Interieur
Nicht nur von Außen ist der S1 LM dem F1 nachempfunden, ebenso im Interieur. Pflicht war natürlich das dreisitzige Layout mit mittig angeordnetem Fahrer, den zwei rückversetzt platzierte Beifahrer flankieren können. Hinter dem Carbon-Lenkrad findet sich ein analoger Drehzahlmesser – heutzutage eine Seltenheit. Dennoch bietet der Wagen zugleich moderne, digitale Technik: Links und rechts neben der Armatur sitzen Bildschirme. Sie visualisieren Infotainment, Rundenzeiten, Infos zum Auto, Motor und mehr. Weiteres Highlight ist der Titan-Schalthebel und sogar eine Soundanlage ist verbaut.
Ein sehr gut betuchte Sportwagen-Fans respektive -Sammler hat nun die einmalige Chance, einen S1 LM zu ergattern. Das letzte der nur fünf gebauten Exemplare – die eigentlich alle an den selben auftraggebenden Kunden gehen sollten – wird nun Ende November im Rahmen des Formel 1-Grand Prix in Las Vegas durch RM Sotheby’s versteigert. Der im Vorfeld erwartete Preis hat es in sich: Das weltweit aktive und renommierte Auktionshaus rechnet mit einem Erlös jenseits der 20 Millionen Dollar. Wahnsinn! Dafür bekommt der Kunde nicht nur ein hochexklusives Auto. Er darf es sich auch im direkten Austausch mit Gordon Murray nach seinem ganz persönlichen Geschmack konfigurieren. Fertiggestellt ist das zu erwerbende Fahrzeug nämlich bisher noch nicht.
Weitere Informationen auf:
Fotos: Courtesy of RM Sotheby’s
Technische Daten
GMSV S1 LM
Motor: 4,3-Liter-Cosworth-V12-Ottomotor, Aluminium-Motorblock und -Zylinderköpfe, obenliegende Nockenwellen, vier Titan-Ventile pro Zylinder, variable Ventilsteuerung für Einlass und Auslass, Titan-Pleuel, Ansaugung mit Ram-Airbox, vier Drosselklappenkörper, Kühlsystem mit Wasser-Ethylenglykol-Mischung, Trockensumpf-Schmierung, Öl-zu-Luft-Ölkühler, 80-Liter-Aluminium-Tank mit In-Tank-Pumpen, Hochdurck-Kraftstoffpumpe, Abgasanlage aus Inconel und Titan
Leistung: 537 kW / 730 PS / 470 Nm
Kraftübertragung: Sechsgang-Handschaltgetriebe, Dreischeiben-Kupplung, Sperrdifferenzial,
Fahrwerk: Doppelquerlenker-Achsen vorne/hinten, Pushrod-Federbeine mit Stahl-Federn auf Aluminium-Dämpfern, geschmiedete Aluminium-Achsschenkel, VA Stabilisator
Rad/Reifen: geschmiedete Leichtmetallfelgen in 10×19 und 12×20 Zoll mit Michelin Pilot Sport Cup 2-Bereifungen in 265/35ZR19 und 335/30ZR20
Bremsen: VA Sechs-Kolben-Monoblock-Sättel aus Aluminium auf 370-nn-Carbon-Keramik-Scheiben, HA Vier-Kolben-Monoblock-Aluminium-Sättel aus Aluminium auf 340-mm-Carbon-Keramik-Scheiben
Karosserie: Gestaltung im modernisierten Design des McLaren F1, aerodynamische Optimierung, Karosserieteile aus Carbon, Aero-Paket (Frontsplitter, Diffusor, zweiteiliger feststehender Heckflügel) abgesenkte Dachlinie, Custom-Scheinwerfer und -Rückleuchten
Innenraum: 350-mm-Carbon-Lenkrad, analoger 120-mm-Drehzahlmesser, Titan-Schalthebel, Carbon-Schalensitze (mittig angeordneter Fahrersitz, zwei weitere rückversetzte Sitze rechts/links daneben), Fünf-Punkt-Hosenträgergurte, Aluminium-Brems- und -Kupplungspedale, Titan-Gaspedal, Gegensprechanlage
Multimedia: Display rechts neben dem Lenkrad für Infotainment und Runden-Timer, Display links neben dem Lenkrad für Informationen zu Auto, Motor etc., Soundsystem mit fünf Lautsprechern (zwei Mitteltöner, zwei Hochtöner, ein Subwoofer)

