VW-Postauto Typ 147 als Showcar in den USA

Typ 147 Fridolin Lieferwagen Post Tuning Restaurierung Motor Fahrwerk Bremsanlagen Felgen Innenraum-Veredelung USA Las Vegas

Fridolin goes Las Vegas

1962 begann VW mit der Entwicklung eines Lieferwagens für die Deutsche Post. Das Ergebnis: der kultige Typ 147, im Sprachgebrauch meist unter dem Spitznamen Fridolin bekannt. Etwa 6.100 Stück entstanden zwischen 1964 und 1974 – für die Post in Deutschland sowie auch der Schweiz. Damals vermutete sicherlich niemand der Beteiligten, dass eines dieser Fahrzeuge mehr als 60 Jahre später ein absoluter Showstar im US-Zockerparadies Las Vegas sein würde. Doch genau so ist es gekommen! Besitzer des hier vorgestellte Exemplars, welches ursprünglich 1970 in den Westfalia-Werken in Wiedenbrück gebaut wurde, ist seit gut zwölf Jahren Richard „Rich“ DeWitte.


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Fester Bestandteil in der amerikanischen Aircooled-Szene

Rich ist schon lange in der US-amerikanischen VW-Szene verwurzelt, besaß bereits unzählige Luftis. Der Erwerbs des Autos begann mit der Verkaufsanzeige für einen Felgensatz. Ein Kumpel von ihm wollte die Räder abgeben, die an dem damals noch in dessen Besitz befindlichen Fridolin montiert waren. Und zwar eigentlich wirklich NUR die Räder. Rich vereinbarte ein Treffen für ein Verkaufsgespräch, hatte dabei allerdings von vornherein den Gedanken, seinem Freund das gesamte Auto abzuschwatzen. Und tatsächlich: Es gelang! Nach zwei Tagen waren der Widerstand gebrochen, der Deal besiegelt und statt der offerierten Räder wechselte das ganze Auto den Besitzer.

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Neuaufbau mit Startschwierigkeiten

Damals befand sich der Fridolin zwar bereits in akzeptablem Zustand. Reichlich Verbesserungspotenzial gab es aber trotzdem. So wurde ein paar Monate später eine umfassende Restaurierung eingeläutet. Nach vielversprechendem Start mit einer Zerlegung durch „The Wagen“ in Las Vegas folgte der erste frustrierende Dämpfer: Bei der Lackiererei, die für ein frisches Lackkleid sorgen sollte, geschah genau dies nicht. Der VW stand dort acht Monate herum, ohne dass etwas passierte. So zog Rich entnervt die Reißleine und gab den Fridolin in die Hände von Rusty Volks Restoration in Colorado. Wie sich herausstellen sollte, eine gute Entscheidung …

Interieur mit exklusiven Details

Im Rahmen des Wiederaufbaus erhielt der VW eine aufgefrischte Bodengruppe. Im vorderen Teil gestaltete sich dies recht einfach, da dieser bekanntlich identisch mit dem Karmann-Ghia Typ 14 ist. So konnte hier ein Austausch erfolgen. Anders im Fridolin-spezifischen Heckbereich, wo die ergänzenden, geraden Paneele repariert und wieder verbaut wurden. Dabei erhielten sie wie weite Teile des Interieurs eine Lackierung in der neuen Wagenfarbe Agave Green.

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Diese Wahl, einen Großteil des Innenraums unverkleidet zu belassen, fiel bewusst – um den Nutzfahrzeugs-Charakter zu erhalten. Aus selbigem Grund gab es für die vorderen Fußräume statt Teppichen nur Holz-Fußmatten. Ganz ohne schickes, braunes Leder ging es aber nicht. Es bespannt die Sitze – samt der klappbaren Custom-Rückbank – sowie Teile der Schiebetüren, der hinteren Seitenbereiche und der Heckklappe. Der untere Abschnitt der Türen und der Dachhimmel sind ergänzend mit dunklem Holz vertäfelt.

Individualisierte Karosserie

Neben der neuen Lackierung erhielt das Exterieur weitere individuelle Details. An Front und Heck trägt der VW gekürzte, angepasste Stoßstangen von Bullis. Kurios: Die vorne verwendete stammt eigentlich vom Heck eines Pritschenwagens. Die vordere Kennzeichenmulde und die Luftauslässe vor der Windschutzscheibe wurden entfernt. Highlight am Heck ist neben den kleinen, roten Rückleuchten die ausklappbare Safari-Heckscheibe. Abrundend gab es zweiteilige Iozzio Galaxy-Felgen im 17-Zoll-Format, bezogen mit modernen Yokohama Advan-Reifen.

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Optimierte Technik

Dass diese perfekt unter den Kotflügeln sitzen und der Fridolin ausgesprochen nah am Asphalt kauert, ist natürlich der beachtlichen Tieferlegung zu verdanken. Um sie zu ermöglichen, kam vorne eine schmale Vier-Zoll-Achse mit einstellbaren Federtellern an Bord. Für Vortrieb sorgt ein gänzlich neu aufgebauter 1,6-Liter-Typ-1-Boxermotor mit unter anderem zwei 40er IDF-Vergasern, einer MagnaSpark-Zündanlage, einer elektrischen Kraftstoffpumpe und einer A1-Abgasanlage. Seine Power wird mittels eines Käfer-Getriebes von RC Trans auf die Straße gebracht. Für überzeugende Verzögerung sorgen last but not least rundum verbaute Wilwood-Scheibenbremsen.

Die Fertigstellung des Fridolin erfolgte im Spätsommer 2024. Pünktlich zur Utah VW Classic Show erhielt Rich seinen Fridolin zurück – und räumte dort direkt den Best of Show-Pokal ab! Seitdem folgen regelmäßig weitere Auszeichnungen und der Typ 147 ist der absolute Liebling, wo immer er auftaucht. Wir sagen: zu Recht!

Fotos: Eric Arnold

Technische Daten

VW Typ 147 „Fridolin“

Baujahr: 1970

Karosserie: komplett zerlegt und restauriert inkl. erneuerter bzw. reparierter Bodenwannen, gekürzte/angepasste Heckstoßstange vom Bulli-Pritschenwagen als Frontstoßstange, Kennzeichenmulde vorne entfernt, weiße Blinker, Luftauslässe vor der Windschutzscheibe entfernt, ausklappbare Safari-Rückscheibe von VW Loosenuts, gekürzte/angepasste Bulli-Heckstoßstange, kleine rote Rückleuchten, Lackierung in Agave Green

Motor: neu aufgebauter 1,6-Liter-Typ 1-Boxermotor, zwei Weber 40 IDF-Vergaser mit Vintage Speed-Gestänge, 60A-Lichtmaschine, MagnaSpark-Zündanlage, elektrische Kraftstoffpumpe, A1-Abgasanlage

Kraftübertragung: Viergang-Schaltgetriebe von RC Trans

Fahrwerk: schmale Vier-Zoll-Vorderachse mit einstellbaren Federtellern von Type E Motorsports

Rad/Reifen: zweiteilige Iozzio Galaxy-Leichtmetallfelgen in 17 Zoll mit Yokohama-Bereifung in 195/45R17

Bremsen: Wilwood-Scheibenbremsanlagen rundum

Innenraum: Custom-Sitzgestelle, klappbare Custom-Sitzbank hinten, braune Lederbezüge für Sitze sowie obere Bereiche der Türen/Seiten und unteren Teil der Heckklappe, untere Bereiche der Türen mit Holz verkleidet, vereinfachtes Armaturenbrett ausschließlich mit Tacho sowie zwei Knöpfen, Aschenbecher und Haltegriff, Lenkrad im Barndoor-Bulli-Style, Gene Berg-Schalthebel, Holz-Dachhimmel, alle Metallteile im Fahrzeugheck handgefertigt und in Wagenfarbe lackiert, Holz-Fußmatten