VW Polo G40

VW Polo G40

Text und Fotos: Christopher Otto

Unendliche Geschichte

Viele Jahre besitzt Daniel Hacker aus Jarmen nun schon diesen Polo. Und er hat die Zeit genutzt und einen atemberaubenden Umbau auf die breiten Räder gestellt. Das funktionierte nur mit viel Arbeit, noch mehr hilfreichen Freunden und einer sehr verständnisvollen Familie.

Über die Jahre gereift

Langsam werden sie rar, die Polo 86C. Bis vor ein paar Jahren noch war gerade das Coupé eine begehrte Tuningbasis, bis es nach und nach von den Nachfolgern abgelöst wurde. Mittlerweile sind die letzten 86C meist nur noch als Winterschlurre im Einsatz.

Als Daniel allerdings sein Coupé 1995 erstand, war der 86C gerade ein Jahr zuvor vom Nachfolger 6N abgelöst worden und gewissermaßen ein top aktuelles Modell. Und noch heute kann der kleine Polo immer noch voll mithalten in der Riege der absoluten Top-Tuningcars. Das liegt nicht nur an der Kreativität seines Erbauers, sondern auch an der Reife, die ein solches Langzeitprojekt mit sich bringt. Seit 16 Jahren schraubt der Tischler aus Norddeutschland nun schon am Polo und verfeinerte das Auto Jahr für Jahr ein Stückchen. Den heutigen Zustand kann man guten Gewissens als perfekt bezeichnen.

Vom Trabbi zum Polo

Seine ersten Sporen verdiente sich Daniel in den frühen 1990-ern als Trabbi-Tuner, was ihn damals nicht von den anderen jungen Männern in seinem Ort unterschied. Nachdem er allerdings einmal in den Genuss einer Probefahrt mit einem Golf GTI kam, war der Hunger auf mehr Leitung entfacht. Von Tuning-Magazinen inspiriert entschied er sich für einen Polo. Seine Wahl, ein Polo Coupé CL mit 45 PS, war zwar auf den ersten Blick nicht die beste Voraussetzung, aber Daniel hatte bereits den großen Umbau vor Augen und das Coupé aus den Händen eines älteren Herren war technisch im Bestzustand. Optisch legte Daniel und seine Freunde André, Maik und Holm dann richtig Hand an die Karosserie.

Schweißgerät in Höchstform

Die Motorhaube wurde um knapp sechs Zentimeter über die neuen Corrado-Scheinwerfer verlängert und von ihren Lüftungsschlitzen befreit. Dafür bekam sie eine Hutze vom Kadett GSI spendiert. Ein anderer Spender, nämlich ein Golf 1, steuerte seine Radläufe zum Gesamtkunstwerk bei. Viel Arbeit war auch die Implantation des geschweißten DTM-Tankdeckels. Daraufhin wurde das Schweißgerät wochenlang gar nicht mehr kalt. Seitenblinker, Türgriffe und sämtliche Löcher an der Karosserie verschwanden, und auch im Motorraum verabschiedete sich die Spritzwand auf Nimmerwiedersehen, genau wie ganze 23 Löcher. Sauber verzinnt ging die Karosse zur Lackiererei Garwich, die einen von Daniels Freundin Tina ausgesuchten Lack namens „Blue Purple Effect“ auftrug.

Feinste Renntechnik unter der Haube

Im so sorgfältig vorbereiteten Maschinenraum zog selbstverständlich nicht mehr das 45-PS-Motörchen und auch nicht die zuvor ebenfalls montierten 75- und 90-PS-Versionen ein, sondern ein extrem aufwendig und professionell aufgebautes G40-Triebwerk. Das war zuvor von Frieder Röhm von Röhm Motorsport fachgerecht in Bestzustand versetzt worden. Der Block wurde aufgebohrt und mit Übermaß-Schmiedekolben versehen. Der Zylinderkopf kam in den Genuss einer kompletten Überarbeitung mit polierten Kanälen und Ventilen sowie einem verstellbaren Nockenwellenrad. Herzstück der Maschine ist aber der RS-Lader mit 58-er Laderrad, der auf Zahnriemenantrieb umgebaut wurde. Zusammen mit der peniblem Abstimmung der Elektronik brachten diese Maßnahmen 160 PS. Aber das Triebwerk ist nicht nur technisch ein Genuss, sondern macht mit einer kompletten Lackierung und vielen polierten oder verchromten Teilen auch optisch viel her.

Golf-Bremsen und Gewindefahrwerk

Um den neuen Gegebenheiten unter der Motorhaube gerecht zu werden, mussten sich die Bremsen und das Fahrwerk ebenfalls umfassende Modifikationen unterziehen. An der Vorderachse bremst jetzt eine Anlage aus dem Golf II 16 V, die mit Zimmermann-Scheiben veredelt wurde. Hinten kümmert sich eine G60-Anlage um zuverlässige Verzögerung. Mit dem H&R-Gewindefahrwerk war Daniel sowieso auf der sicheren Seite. Trotzdem montierte er noch einen Salzmann-Stabi hinten und rundum Teflon-Buchsen sowie Alu-Domstreben von Wiechers.

Extremitäten in den Radkästen

Wer jemals hinter diesem Polo hergefahren ist, wird sich angesichts der Bereifung des Coupés verwundert die Augen gerieben haben. Geradezu brutal sieht die Hinterachse mit den 9×14 Zoll großen HTN-Felgen aus, deren Stern in Wagenfarbe lackiert wurde. Reifen in der Größe 215/40 R 14 ziehen sich derart knapp über die breiten Felgen, dass das Felgenhorn über einen Zentimeter über den Rand des Reifens herausragt. Nicht besonders alltagstauglich, aber optisch absolut brutal! Verstärkt wird die aggressive Optik durch die 20 Millimeter breiten Spurplatten, welche die ohnehin extreme Einpresstiefe von -2 Millimetern noch deutlicher in den negativen Bereich drückt. Ein wenig dezenter, aber nicht weniger schön, geht es an der Vorderachse zu, wo 195/45-er Schlappen auf 8 Zoll breite Felgen gezogen wurden.

Interieur in Lack und Chrom

Das Interieur des kleinen Wolfsburgers ist eine absolute Augenweide. Bevor es allerdings in diesem Zustand war, musste Daniel wieder sehr viel Arbeit investieren. Für Freundin Tina und die beiden Söhne Denny und Toby war das keine Überraschung, denn die langen Schrauberwinter waren sie von Daniel schon seit Jahren gewohnt. Im Gegenteil, Denny und Toby hängen gern beim Papa in der Garage rum und schauten ihm beim Schrauben zu. Viel zu sehen hatten sie bei der Umgestaltung des Armaturenbrettes. Daniel selbst schliff und laminierte, was das Zeug hielt, um die Oberfläche aalglatt zu bekommen. In Wagenfarbe lackiert sieht das Teil jetzt rattenscharf aus. Gleiches gilt für die polierten Edelstahl-Tür-„Pappen“ und den Leder-Himmel. Die Sparco-Pro-2000-Sitze verdeutlichen das Race-Thema ebenso wie das kleine 28-er Victor-Sportlenkrad. Das Highlight im Innenraum ist aber der verchromte Käfig mit doppeltem Kreuz, für den ein Käfig und bei Überrollbügel von Wiechers zusammengeschweißt wurden. Unter dem Rohrgedränge im Heck sitzt ein kleiner Hifi-Ausbau, dessen Steuerteil von Alpine versteckt im Handschuhfach steckt.

Wie eingangs erwähnt schraubt Daniel seit 16 Jahren am Polo. Mittlerweile gibt es kaum noch etwas, was der 36-Jährige verbessern könnte. Trotzdem ist an einen Verkauf nicht zu denken. Zu viel Zeit und Erinnerungen stecken im Langzeitprojekt. Wer weiß, vielleicht übernehmen seine autobegeisterten Söhne den Polo irgendwann als Young- oder Oldtimer?

Technical Facts

Fahrzeugtyp:

VW Polo, Baujahr 1991

Motor:

Umbau auf G40, Motor aufgebohrt, Übermaß-Schmiedekolben, Zylinderkopfbearbeitung, verstellbares Nockenwellenrad, RS-Lader (58mm) mit Zahnriemenantrieb, bearbeiteter Ansaugkrümmer vom 3F, RS-Drosselklappe, Steuergeräteanpassung, Leistung ca. 160 PS, Motorblock gold lackiert, diverse polierte, verchromte und lackierte Teile, Spritzwand und Heizung entfernt, Getriebe lackiert und teilweise verchromt

Auspuff: beschichteter Keramik-Fächerkrümmer, Bastuck-Mittelschalldämpfer, mittiger Remus-Endschalldämpfer

Rad/Reifen:

HTN, vorn 8×14 ET 12 mit 195/45 ZR 14 und 10 mm Spurplatten, hinten 9×14 ET -2 mit 215/40 ZR 14 und 20 mm Spurplatten

Fahrwerk:

H&R Gewindefahrwerk mit Steffan-Dämpfern, Tieferlegung 80/65 mm, Salzmann-Stabi hinten, Alu-Domstreben von Wiechers

Bremsen: vorn vom Golf II 16V mit gelochten und geschlitzten Zimmermann-Scheiben, hinten vom Golf G60 mit Salzmann-Hülsen

Karosserie:

Motorhaube verlängert und mit GSI-Hutze, Golf-1-Radläufe, DTM-Tankdeckel, Karosserie komplett clean (Lüftungsschlitze, Türgriffe, Embleme, Seitenleisten, Seitenblinker entfernt), Kennzeichenmulde hinten verkleinert, Ersatzradmulde entfernt, Corrado-Scheinwerfer, Komplettlackierung in „Blue Purple Effect“

Innenraum/Hifi:

Umbau zum Zweisitzer, Sparco Pro 2000 Schalensitze, 28-er Victor-Lenkrad, Armaturenbrett glatt laminiert und lackiert, Edelstahlplatten an den Türverkleidungen, Hub-Schiebedach vom VW Passat, Wiechers-Käfig und -Bügel miteinander verschweißt, Zusatzinstrumente von VDO, Himmel mit Leder bezogen, Heckausbau mit MDF und Alu-Riffelblech, CD-Receiver von Alpine im Handschuhfach, Verstärker Mac Audio 6001, Pioneer-Dreiwegesystem, Mac Audio Subwoofer

Danke an: Tina, Toby und Denny, Lackiererei Gawrich, Sattlerei Keil, Röhm Motorsport, K-Tech, André Maas, Maik Feck, Holm, Andreas Wolf, Tobias Fernow, Egon Rogge, René Heise

 

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