Opel Astra H OPC

Opel Astra H OPC: Red Alert!

Wenn Manuel aus Waigolshausen mit seinem Opel Astra H OPC im Rückspiegel auftaucht, dann sollten mehr als 90 Prozent der übrigen Verkehrsteilnehmer lieber den Blinker rechts setzen – und zwar sowohl auf der Autobahn als auch auf der Rennstrecke. Denn der 24-jährige Kfz-Mechaniker, der als Alltagsfahrzeug auch noch einen Zafira B besitzt, hat sich auf Basis des vom Opel Performance Center entwickelten Topmodells der dritten Astra-Generation ein echtes Tracktool für den ambitionierten Clubsport-Einsatz auf die Räder gestellt.
Rein äußerlich gibt sich die rote Rakete relativ zurückhaltend. Neben der Warnfarbe weist lediglich eine Eigenbau-Stoßstange mit vergrößerten Luftöffnungen und angebundenem Spoilerschwert auf die Clubsport-Ambitionen des Astras hin. Dazu wurde der Kühlergrill mitsamt Opel-Blitz in Glanzschwarz gehüllt. Achtern wurde der OPC-Stoßfänger mit seinem mittig platzierten Endrohr sogar gegen eine Stoßstange vom normalen GTC ersetzt, um die Installation einer neuen Abgasanlage zu vereinfachen. Verwirrung stiften „Vauxhall“- und „VXR“-Designs, die den Astra (fälschlicherweise) als Modell der britischen Opel-Schwester ausweisen.

411 Turbo-PS aus dem Z20LEH

Unter der Carbon-Motorhaube des OPCs sitzt natürlich das Z20LEH-Aggregat. Der zwangsbeatmete Vierzylinder wurde von Kaul Motorsport einer Leistungssteigerung unterzogen, die „klassischen“ Motorenbau mit einem Upgrade der Turboaufladung kombiniert. So setzt nun ein Garrett GTX28-Turbolader die Brennkammern unter Überdruck, dem ein externes Wastegate, ein FTT-Schubumluftventil sowie ein großer Ladeluftkühler zuarbeiten. Innerhalb des bearbeiteten Zylinderkopfs bitten geänderte Nockenwellen mit verstellbaren Nockenwellenrädern die größeren Ventile zum Tanz. Ebenfalls vergrößert wurden die Bohrungen des an einen bearbeiteten Ansaugkrümmer angebundenen Motorblocks, in denen dementsprechend größer dimensionierte Kolben auf H-Schaft-Pleueln stampfen. Die heißen Verbrennungsabgase strömen durch einen Klasen-Krümmer sowie einen 200-Zellen-Sportkat und entweichen dann geräuschvoll durch eine Skorpion-Abgasanlage. Ein Ölkühler hält die Temperatur des Schmiermittels im grünen Bereich. Das Datenblatt weist eine Maximalleistung von 411 PS aus, was eine relative Leistungssteigerung um stattliche 70 Prozent bedeutet.

Natürlich musste auch der Antriebsstrang angesichts einer solchen Leistungsexplosion entsprechen modifiziert werden. So wurde das M32-Getriebe mittels einer Sintermetall-Kupplung mitsamt leichtem EDS-Schwungrad an das Triebwerk angebunden. Eine Differenzialsperre optimiert zudem die Traktion des Fronttrieblers.

Bilstein B12 und Motec Nitro-Leichtgewichte für perfekte Bodenhaftung

Apropos Traktion: An den Achsen des Astras verschraubte Manuel – zugunsten möglichst geringer ungefederter Massen und damit eines möglichst agilen Fahrverhaltens – leichtgewichtige Motec Nitro-Felgen der Größe 8,5×19 Zoll, die mit griffiger Hankook Ventus S1 Evo-Bereifung in 235/35R19 rundum bestückt wurden. Ihre „Klebrigkeit“ auch in mechanischen Grip umwandeln können die Hankook-Gummis allerdings natürlich nur, sofern sie auch möglichst fest mit dem Asphalt verbunden sind. Für eine bestmögliche Bodenhaftung der Räder installierte Manuel in diesem Sinne ein B12-Sportfahrwerk aus dem Hause Bilstein. Trotz aller Funktionalität aber wurde auch bei der Rad/Reifen-Kombination die Optik nicht vergessen: Passend zur Karosserie wurden zusätzlich zum roten Außenrand der mattschwarzen Felgen auch die Innenbetten in Wagenfarbe lackiert.

Ebenfalls in Rot gehalten sind 4-Kolben-Sättel der an der Vorderachse installierten AP Racing-Bremslage, die beim Tritt aufs mittlere Pedal kraftvoll auf genutete 335-Millimeter-Scheiben einwirken, sodass Manuel seine Bremspunkte auf dem Track bedeutend später wählen kann, als dies mit den werksseitigen OPC-Stoppern der Fall war. Denn ein Grundgesetz für schnelle Rundenzeiten lautet bekanntlich: „Wer später bremst, fährt länger schnell!“

Clubsport-Interieur

Selbstverständlich wurde auch der Innenraum des OPCs an das Racing-Thema angepasst: Für die Rücksitzbank beispielsweise sah Manuel keine weitere Existenzberechtigung mehr, sodass er sie komplett aus dem Passagierabteil herauswarf. An ihrer statt findet sich hinter den in der erste Reihe installierten Sparco Rev Plus-Vollschalen mit Schroth-Gurten nun ein schwarzer Stahl-Überrollkäfig von Pleie Sport sowie eine große Carbon-Abdeckplatte, die von Kaul Motorsport eingepasst wurde. Vom Astra VXR stammen neben der von Manuel individualisierten Tachometereinheit auch die Einstiegsleisten und der Schaltknauf, während an der A-Säule installierte DEPO-Zusatzinstrumente den Piloten über den anliegenden Ladedruck sowie Temperatur und Druck des Schmiermittels informieren. Ferner wurden diverse Kunststoffoberflächen in Glanzschwarz lackiert. Sogar mit einer wohlklingenden HiFi-Anlage ist das Tracktool ausgerüstet: Die Signale einer Zenec ZE-NC50110-Headunit werden von einer Ampire-Endstufe verstärkt und anschließend von Hertz-Lautsprechersystemen in Hörschall umgewandelt.

Tech Specs

Fahrzeugtyp: Opel Astra H OPC, Baujahr 2009

Karosserie: Carbon-Motorhaube von Kaul Motorsport, Eigenbau-Stoßstange mit Schwert vorne, GTC-Stoßstange hinten, Spiegel und Kühlergrill in Glanzschwarz lackiert

Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbomotor (Z20LEH), Kopf bearbeitet, größere Ventile und Ventilfedern, geänderte Nockenwellen und verstellbare Nockenwellenräder. Ausgleichswellen entfernt, Kolben aufgebohrt, H-Schaft-Pleuel, Ansaugkrümmer bearbeitet, Garrett GTX28-Turbolader, externes Wastegate, FTT-Schubumluftventil, großer LLK, Klasen-Abgaskrümmer, 200-Zellen-Sportkat, Skorpion-Abgasanlage ab Kat, Samco-Schläuche, Benzindruckregler, 16-Reihen-Ölkühler, Leistung 411 PS

Kraftübertragung: 6-Gang-Schaltgetriebe (M32), Sintermetall-Kupplung, leichtes EDS-Schwungrad, Differenzialsperre

Fahrwerk: Bilstein B12-Sportfahrwerk
Rad/Reifen: Motec Nitro-Felgen in 8,5×19 Zoll, Innenbetten in Wagenfarbe lackiert,

Bremsen: AP Racing-Bremslage vorn mit 4-Kolben-Bremssätteln und genuteten 335-mm-Scheiben

Interieur/HiFi: Stahl-Überrollkäfig von Pleie Sport, Sparco Rev Plus-Vollschalensitze, Schroth-Gurte, Rücksitzbank entfernt, Carbon-Kofferraumausbau von Kaul Motorsport, DEPO-Zusatzinstrumente (Öltemperatur, Öldruck, Ladedruck), modifizierte Astra VXR-Tachoeinheit, Astra VXR-Schaltknauf, Astra VXR-Einstiegsleisten, diverse Kunststoffoberflächen in Glanzschwarz lackiert, Zenec ZE-NC50110-Headunit, Ampire-Endstufe, Hertz-Lautsprechersysteme

Text und Fotos: Sebastian Brühl