Tiefschwarzer 140er mit 6,0-Liter-V8, Luftfahrwerk und fetten Dreiteilern
Sollte sich einmal ein amerikanischer Cosa Nostra-Boss zu einem Sightseeing-Trip nach Europa entschließen, so würde der Obergangster garantiert Ralf aus dem bei Stuttgart gelegenen Ostfildern/Nellingen mit seiner hier abgebildeten S-Klasse als amtlichen „Ferienmietwagen“ anfordern. Denn – Achtung: Klischee – wohl kein anderes Fahrzeug in diesem Land würde die Anforderungen an diesen Job besser erfüllen: Der W140 ist riesengroß, abgrundtief schwarz, knüppeltief und dazu natürlich extrem luxuriös – eine perfekte Mafia-Limo!
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Chrom nahezu komplett eliminiert
Für ein solches Projekt war die dritte Generation der S-Klasse natürlich ideal geeignet, bringt sie doch Kultstatus, einen imposanten Auftritt und maximalen Komfort bereits von Hause aus mit. Auf dieser Basis leistete Ralf dem halbseidenen Gangster-Image – natürlich mit einem Augenzwinkern – auch ganz bewusst und vorsätzlich Vorschub: Für einen noch bösen Auftritt wurde praktisch jeglicher Chrom der 5,21 Meter langen, vor vier Jahren aus erster Hand komplett serienmäßig gekauften Luxuslimousine eliminiert und in Wagenfarbe „040 Tiefschwarz Uni“ lackiert – samt des Kühlergrills. Nicht vom umfangreichen Cleaning der Karosserie betroffen waren glücklicherweise die in Chrom zum großflächigen Schwarz kontrastierenden Mercedes-Sterne an Bug und Heck.
Fette OZ-Dreiteiler
Apropos Chrom: Bestens zum breitschultrigen Auftritt der Limo passen ferner die in den verbreiterten Radhäusern rotierenden OZ Futura-Felgen mit verchromten Sternen und fetten, hochglanzpolierten Stufenbetten: Die Dreiteiler messen heftige 11×18 und 13×18 Zoll! Bespannt wurden sie mit vergleichsweise „schlanker“ Bereifung in 235/40R18 und 275/45R18, sodass sich die Gummis deutlich in die Breite stretchen.

So richtig spektakulär wird es dann, wenn Ralf die Air Lift Performance-Steuerung des TA Technix -Luftfahrwerks auf „abwärts“ stellt. Dann nämlich geht der riesige Benz unter Zischen und Fauchen aus seinen Airride-Ventilen langsam in die Knie, bis die Schürzen und Schweller beinahe auf dem Untergrund aufliegen. Passgenau saugen sich dann die hochglänzenden Felgenhörner an die Kotflügelkanten heran, sodass sich ein wunderbares Fitment ergibt!
Hinter den Chrom-Sternen leuchten als einige der wenigen Farbtupfer an Ralfs S-Klasse die roten Sättel einer AMG-Bremsanlage aus dem zwei Generationen neueren W221 S 63 AMG: An der Vorderachse sind es jeweils sechs Kolben, die auf gelochte Scheiben einwirken, während die Beläge an der Hinterachse von 4-Kolben-Sätteln auf ihre Discs epresst werden.
6,0-Liter-Motor – und doch kein 600er
Im Bug der S-Klasse sorgt ein 6,0-Liter-Motor für druckvollen Vortrieb. „Aha, ein 600er mit V12 also“, mag nun der vermeintlich versierte Mercedes-Kenner annehmen. Denn schließlich bildete der Sechsliter-V12 M120 seinerzeit die absolute Spitzenmotorisierung im W140. Wenn Ralf am Zündschlüssel dreht allerdings, ertönt kein vornehmes Zwölfzylinder-Säuseln, sondern tieffrequentes, handfestes V8-Geboller.
Wie das?! Unter der Motorhaube des 500 SEL lauert der dort angestammte M 119-V8 – allerdings mit AMG-Tuning samt Hubraumvergrößerung auf volle sechs Liter: Aufbohren für 100-Millimeter-Kolben und eine 95er Kurbelwelle vom 560er M117 aus dem W126 machen es möglich. Für den markant-maskulinen Sound zeichnet eine Brabus-Sportauspuffanlage samt 200-Zellen-Sportkats verantwortlich. Unterm Strich stehen zudem gut 380 PS, welche die mehr als zwei Tonnen schwere Limo mächtig anschieben.

Interieur-Renovierung
Warum auch immer: Werksseitig war der 500 SEL mit einer beigen Stoff-Ausstattung vom Band gelaufen. Für eine Mafia-Limo natürlich ein unhaltbarer Zustand! Ralf sattelte also auf eine deutlich elegantere und haptisch hochwertigere Leder-Kombination in Schwarz/Beige um. Das Holz-Sportlenkrad stammt aus der SL-Baureihe R231.
Und damit bei den Mafia-Bossen während ihrer Reisen keine Langeweile aufkommt, ist zudem eine hochklassige HiFi-Anlage an Bord: Die Alpine-Headunit mit aufklappendem Bildschirm versprüht High Tech-Charme der 90er, ihre Signale werden von Gladen Audio-Lautsprechersystemen sowie einem Hertz-Subwoofer klar und druckvoll wiedergegeben.
Technical Facts
Mercedes-Benz W140 500 SEL
Baujahr: 1992
Karosserie: Radläufe und Stoßstangen verbreitert, diverse Cleanings, Lackierung in Schwarz Uni 040 inkl. Chromleisten, Kühlergrill etc.
Motor: 6,0-Liter-V8-Motor (M119 AMG), 100-mm-Kolben, 95-mm-Kurbelwelle vom W126 M117, Brabus-Sportabgasanlage mit 2x 200-Zellen-Sportkats, 381 PS
Kraftübertragung: 5-Gang-Automatikgetriebe
Fahrwerk: TA Technix-Luftfahrwerk mit Air Lift-Steuerung
Rad/Reifen: dreiteilige OZ Futura-Felgen in 11×18 und 13×18 Zoll, Bereifung in 235/40R18 und 275/45R18
Bremsen: VA Bremsanlage vom W221 S 63 AMG
Innenraum: Lederausstattung umgesattelt auf Schwarz/Beige, Sportlenkrad vom SL R231
Multimedia: Alpine-Headunit mit Bildschirm, Gladen Audio-Lautsprechersysteme, Hertz-Subwoofer

