Mercedes-Benz C209 CLK Driftcar

Mercedes-Benz C209 CLK Driftcar

Beim Stichwort Drift denken die meisten wohl zuerst an japanische Sportcoupés, in denen Fahrer ihre waghalsige „Quertreiberei“ vollführen. Kein Wunder, ist doch ein beträchtlicher Teil der Drifter in solchen Fahrzeugen aus der Heimatregion dieser Sportart unterwegs. Doch die asiatischen Racer sind nicht die einzigen Modelle, die sich zum Aufbau eines Driftcars eignen. Speziell in den USA und Europa wird auf gerne auf anderes Basismaterial zurückgegriffen, etwa BMWs oder den Ford Mustang. Ein weiteres hervorragendes Beispiel ist der hier gezeigte Mercedes CLK.

In dem Coupé ist seit der Saison 2017 der Schwede Mårten Stångberg aus Göteborg für das Team Lovetap in Europas, speziell der skandinavischen, Driftszene unterwegs. Auch zuvor hatte er schon gute Erfahrungen mit Mercedes‘ als Einsatzfahrzeug gemacht, war er doch in einem 190 E unterwegs. Dessen weiteren Einsatz verhinderten jedoch neue Reglements im Jahr 2013. Somit machte sich Mårten auf die Suche nach einer Alternative, die er in Form des CLKs letztlich in England fand. Von dort überführte er diesen im Oktober 2014 höchstpersönlich nach Schweden. Damit war der Startschuss für eine langwierige und fortbestehende Auf- und Umbauphase gefallen.

M104 mit 792 PS am Rad

Besonders wichtig sind bei einem wettbewerbsfähigen Fahrzeug die technischen Anpassungen. Demzufolge umfangreich gestalteten sich diese in quasi sämtlicher Hinsicht – so umfangreich, dass eine komplette Aufzählung den hier verfügbaren Rahmen sprengen würde. Demzufolge soll im Text nur ein kleiner Überblick gegeben werden, alles Weitere kann aus dem Datenkasten entnommen werden. Unter der Haube des CLKs sitzt ein Exemplar des M104-Sechszylinders – es ist bereits das zweite seiner Art. Ursprünglich sollte ein Exemplar der 3,6 Liter großen Variante aus dem C 36 AMG für Vortrieb sorgen, dieses segnete jedoch bei den ersten Probefahrten nach Fertigstellung des Wagens das Zeitliche. Daher wurde als Ersatz einer der 3,2 Liter großen M104 beschafft. Er ist mittels eines BorgWarner-Turboladers zwangsbeatmet. Die verdichtete Ladeluft gelangt über einen Custom-Einlasskrümmer in die Brennräume, wo die Serienkolben auf geschmiedeten Pleueln die Kurbelwelle in Bewegung versetzen. Die Entsorgung der Abgasüberreste geschieht über einen Auslasskrümmer, der ebenso in Eigenbau gefertigt ist wie die anschließende 3,5-Zoll-Downpipe und die 2,5-Zoll-Abgasanlage. Gleichfalls tiefgreifend optimiert ist das Kraftstoffsystem, unter anderem mit diversen Nuke Performance-Komponenten wie Kraftstoffleisten, einen Benzindruckregler und einen Ausgleichtank. Gefördert wird das Benzin mittels zweier Deatschwerks-Pumpen und eingespritzt über Bosch-2200cc-Düsen. In Summe sorgen die gesamten Motorumbauten für eine Anhebung der Leustung auf beeindruckende 792 PS und 915 Nm – wohlgemerkt am Rad gemessen!

Kraftübertragung, Bremsen und Fahrwerk optimiert

Übertragen wird die Power mittels einer Kupplung aus Sachs- und Tenaci Motorsport-Teilen sowie einer Dogbox-Schaltung, Custom-Antriebswellen und eines Differentials aus dem BMW 5er E34. Hinsichtlich der Bremsen vertraut Mårten auf Mercedes-Originalteile: Vorne sitzen Sechs-Kolben-Sättel vom S 600 auf 345-Millimeter-Scheiben eines C 36 AMG und hinten Zwei-Kolben-Sättel auf 287-Millimeter-Scheiben. Ergänzend ist eine hydraulische Handbremse an Bord. Das Fahrwerk basiert auf verstellbaren KW-Gewindefederbeinen. Hinzu kommen diverse weitere Anpassungen, teilweise auch, um den zum Driften benötigten, erhöhten Lenkeinschlag zu ermöglichen.

Eigens angefertigter Breitbau

Optisch unterscheidet sich das Drift-Coupé ebenfalls deutlich vom durchschnittlichen CLK: Er besitzt einen extremen Breitbau-Bodykit, der speziell zu diesem Zweck entworfen und aus Fiberglas angefertigt wurde. Selbiger Werkstoff diente der Herstellung des Kofferraumdeckels, der Türen und der Motorhaube. Die Schürzen an Front und Heck stammen unterdessen von einem CLK 63 AMG. Der Custom-Heckspoiler im Ducktail-Stil und eine auffällige Beklebung runden die Karosserie ab. Auf dem Dach sind zahlreiche Namen verewigt. Die entsprechenden Personen beteiligten sich finanziell an einer nach dem angesprochenen Motorschaden gestarteten Crowdfunding-Aktion, um den Wagen möglichst schnell wieder auf die Strecke zu bekommen. Den Kontakt zur Straße gewährleisten 225/40er und 265/35er Semislicks auf weißen Cosmis Racing XT-206R-Felgen in 9,5×18 und 11×18 Zoll.

Erstklassiges Racing-Interieur

Weitreichend für den Einsatzzweck als Rennwagen umgebaut ist zu guter Letzt auch der Innenraum. Er präsentiert sich weitestgehend leergeräumt. Stattdessen bauten Mårten und sein Team einen Überrollkäfig ein. Zudem befindet sich im Heck der Kühler des Reihensechszylinder-Motors. Lenkbefehle nimmt der schwedische Pilot über ein Sparco-Volant vor, das auf einer Custom-Lenksäule montiert ist. Dabei ist er – wie sein potenzieller Mitfahrer – mittels Takata-6-Punkt-Gurten in einem Sparco Evo 2-Rennsitz fest und sicher verzurrt. In seiner erste Saison 2017, die er in der schwedischen Driftmeisterschaft und der Gatebil Drift Serie bestritt, schlug sich der CLK durchaus achtbar, wobei die Ergebnisse stetig besser wurden. Die laufende Saison gestaltet sich hingegen bisher eher holprig und mit einigen technischen Problemen. Doch ans Aufgeben denken Mårten und sein Team natürlich nicht und schließlich ist die ganze harte Arbeit es allemal wert und schnell vergessen, wenn am Ende als Lohn ein funktionierender Sportwagen steht.

Technical Facts

Fahrzeugtyp: Mercedes-Benz C209 CLK

Karosserie: Custom-Breitbau-Bodykit, Front- und Heckschürze vom CLK 63 AMG, Custom-Seitenschweller, Custom-Ducktail-Spoiler, Türen sowie Motorhaube, Kotflügel und Kofferraumdeckel aus Fiberglas, Lackierung im Custom-Design

Motor: 3,2-Liter-Reihensechszylinder-Ottomotor (M104), BorgWarner-EFR 9180-Turbolader, 60-mm-Tial-Wastegate-Ventil, Serien-Kolben, geschmiedete Pleuel, MLS-Zylinderkopfdichtung, zwei Deatschwerks DW400-Benzinpumpen, ATL-Tank, Bosch-2200cc-Motorsport-Einspritzdüsen, industrielle Kraftstoffleitungen, Nuke Performance-Kraftstoffleisten, Nuke Performance-Ausgleichstank, Nuke Performance-Benzindruckregler, Nuke Performance-Catchcan, Nuke Performance-Blow-off-Ventil, ARP-Bolzen, Custom-Trockensumpf-Ölwanne, Custom-Trockensumpf-System mit AutoVerdi-Pumpe und Nuke Performance-Tank, Custom-Kühler-Setup, heckmontierter Kühler mit Davies Craig-Wasserpumpe, Servopumpe vom Nissan S14, Custom-Ein- und -Auslasskrümmer, Custom-Verrohrung mit Vibrant HD-Schellen, Tenaci Motorsport-Schwungrad, 3,5-Zoll-Downpipe, 792 PS und 915 Nm am Rad bei 1,5 Bar Ladedruck

Kraftübertragung: Tex Racing T101-Dogbox-Getriebe mit Custom-Getriebeglocke, 200-mm-Kupplungsdruckplatte von Sachs, Kupplungsscheiben von Tenaci Motorsport, hydraulische Ausrücklager, Carbon-Shifter, 4-Zoll-Kardanwelle, Differential sowie Naben und Gleichkaufgelenke vom BMW E34 540i, Custom-Antriebswellen

Fahrwerk: KW Competition-Gewindefederbeine (VA zweifach und HA dreifach verstellbar); VA Subframe sowie Lenkungs-Zahnstange und Achse Serie, Custom-Uniball-Querlenker, vergrößerte Lenkhebel, Custom-Besfestigung oben für Radnachlauf- und Sturzkorrekturen; HA Serien-Subframe verstärkt und angepasst, Serien-Achse mit Naben vom BMW E34, einstellbare Custom-Uniball-Aufhängungsstreben

Rad/Reifen: Cosmis Racing XT-206R-Leichtmetallfelgen in 9,5×18 Zoll ET10 und 11×18 Zoll ET8, Semislick-Bereifung in 225/40 ZR18 und 265/35 ZR18, VA 30-mm-Adapterscheiben von 5×112 auf 5×114,3 und HA 25-mm-Adapterscheiben von 5×112 auf 5×114,3

Bremsen: VA Mercedes-6-Kolben-Sättel vom S 600 auf 345-mm-Scheiben vom C 32 AMG, HA Mercedes-2-Kolben-Sättel auf 287-mm-Scheiben, Tilton-Bremsflüssigkeitsbehälter, hydraulische Suvi Performance-Handbremse

Innenraum: Serien-Armaturenbrett, Custom-Überrollkäfig, Sparco Evo 2-Rennsitze, Takata-6-Punkt-Gurte, geschüsseltes Sparco-Lenkrad, Custom-Lenksäule, Tiltion 600-Series-Pedalerie

Sonstiges: D2 Performance X4-Air Jacks

 

Text: Simon Mombartz, Fotos: Sebastian Brühl /Patrick Visser