E30 als Tracktool mit S54-Kompressor

BMW E30 M3 Replika Tracktool Tuning Carbon Karosserieteile S54 Leistungssteigerung Gewindefahrwerk Felgen Bremsanlagen Innenraum

Red Racing Replica

Der BMW E30 M3 ist eine wahre Tourenwagen-Legende, an deren Mythos zu kratzen einer echten Majestätsbeleidigung gleichkommen würde. Rein objektiv betrachtet jedoch ist ebenso wahr: Der charakteristisch röhrende S14B23-Vierzylinder ist – nach heutigen Maßstäben beurteilt – ein recht durchzugsschwacher Geselle, der nur im oberen bis obersten Drehzahlbereich wirklich Spaß macht.

Wer im E30 M3 mit moderneren Fahrzeugen mithalten oder diese auf der Rennstrecke gar gehörig ärgern möchte, der muss sich etwas einfallen lassen. Hinzu kommt: Infolge einer raketenartigen Preisentwicklung des E30 M3 sind originale Fahrzeuge nur noch selten bei Touristenfahrten oder Trackdays zu sehen. Was man für E30 M3-Spaß auf der Rennstrecke also tun sollte: Eine M3-Replika mit modernerem, stärkerem Antrieb aufbauen! Genau das hat Robin Glogger von www.e30.tv für seinen Stammkunden Hans-Peter „Hape“ Bratke aus dem mittelfränkischen Ohrenbach getan!


 

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Karosserie weitgehend aus Carbon

So bildete die Aufbaubasis des hier abgebildeten „M3“ eine zweitürige Limo aus dem Baujahr 1988. Übrig ist von diesem Auto freilich kaum mehr etwas: Karosserie und Technik wurden komplett neu aufgebaut. Weite Teile der E30-Karosserie bestehen heute aus Carbon. So beispielsweise die Stoßstangen an Bug und Heck, der Frontsplitter und der Kofferraumdeckel samt Heckflügel mit großem DTM-Flap. Die charakteristischen hinteren Seitenteile allerdings sind originale E30 M3-Blechteile. Beim Karosseriebau leistete die Firma Urban aus Eichstätt Support.

Aufgeladener E46 M3-Motor

In den E30-Motorraum zog ein 3,2-Liter-Reihensechszylinder aus dem Enkel E46 M3 ein. Und damit nicht genug: E30.tv verordnete dem komplett revidierten S54B32 zusätzlich eine VF-Kompressoraufladung. So schickt der mechanisch aufgeladene M-Motor nun – je nach Mapping – bis zu 540 PS an die Hinterräder. Angesichts eines fahrfertigen Leergewichts von 1.175 Kilogramm bedeutet dies ein Leistungsgewicht von nur 2,2 kg/PS. Zum Vergleich: Ein aktueller M4 CS schleppt mehr als 3,3 kg/PS mit sich herum – 50 Prozent mehr Gewicht pro PS! Aus seinem Spenderfahrzeug brachte der S54-Motor auch gleich ein manuelles 6-Gang-Schaltgetriebe mit.

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KW Competition und DTM-Achsstand

Natürlich haben auch Fahrwerk und Bremsanlage des Tracktools praktisch nichts mehr mit der Serientechnik gemeinsam. So kombinierte E30.tv ein vielfach einstellbares KW Competition-Gewindefahrwerk mit dem M3 DTM-Achsstand der Saison 1991, sodass Hapes E30 nun praktisch ebenso auf der Straße klebt wie das Tourenwagen-Vorbild. Apropos: Die direkte Verbindung zum Asphalt übernehmen Nankang Sportnex CR-S-Semislicks in 235/40R17, die rundum auf 9×17-zöllige ATS DTC-Felgen aufgezogen sind. Obwohl die ATS-Einteiler im „herkömmlichen“ Gussverfahren hergestellt sind, bringen sie in der genannten Größe nur rund acht Kilogramm auf die Waage, was die ungefederten und rotierenden Massen reduziert – zugunsten einer optimierten Quer- und Längsdynamik.

Extrem standfeste Bremsanlagen

Darüber hinaus boten die 17-Zoll-Felgen ausreichend Platz für große Bremsanlagen, welches es Hans-Peter erlauben, den Ankerwurf sehr weit in Richtung Kurveneingang zu verlegen. Denn bekanntlich gilt auf dem Track: Wer später bremst, fährt länger schnell. Vorne sind BMW Performance/Brembo-Bremsanlagen installiert, deren mächtigen 6-Kolben-Sättel auf gelochte Scheiben einwirken. Die hinteren 2-Kolben-Anlagen stammen aus dem Porsche Cayman. Gemanagt wird die Bremspower von einem Continental-Rennsport-ABS.

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Reinrassiges Motorsport-Interieur

Auch im Innenraum des BMW stehen die Zeichen natürlich auf Motorsport: Vor dem Aufbau der Karosserie schweißte Allkofer Rennsporttechnik eine massive Sicherheitszelle in die E30-Struktur ein, welche heute zwei Recaro Pole Position-Schalensitze mit Schroth-Gurten umschließt. Während Hape am tief geschlüsselten Sportlenkrad dreht, wirft er die Gänge mittels eines hoch aufragenden CAE-Shifters ein. Zwar entfielen diverse Teppiche und Dämmstoffe, das E30-Armaturenbrett blieb jedoch erhalten. Die Türverkleidungen bestehen aus Carbon.

Und was kann das Tracktool nun? Hape grinst: „7:35 fahre ich auf der Nordschleife ohne Curbs. Wenns wirklich pressiert, dann geht das noch deutlich schneller.“

Technical Facts

BMW E30 M3 (Replika)

Baujahr: 1988

Karosserie: Carbon-Stoßstangen vorne und hinten, Carbon-Frontsplitter, Carbon-Kofferraumdeckel, Carbon-Heckflügel (alles von Edenhofer Motorsport), originale E30 M3-Seitenteile hinten

Motor: 3,2-Liter-Reihensechszylinder (S54B32), komplett revidiert, VF-Kompressoraufladung, Reuter Motorsport-Abgasanlage, 420 PS für Straßeneinsatz, Track-Mapping auf 540 PS / 555 Nm

Kraftübertragung: 6-Gang-Schaltgetriebe aus E46 M3

Fahrwerk: KW Competition-Gewindefahrwerk, DTM-Achsstand 1991, elektr. Servolenkung aus Mercedes B-Klasse

Rad/Reifen: ATS DTC-Felgen in 9×17 Zoll ET30, Nankang Sportnex CR-S-Semislicks in 235/40R17

Bremsen: VA BMW Performance/Brembo-6-Kolben-Bremsanlage, HA Porsche Cayman-4-Kolben-Bremsanlage, Continental-Rennsport-ABS

Innenraum: eingeschweißte Sicherheitszelle von Allkofer Rennsporttechnik, Recaro Pole Position-Schalensitze, Schroth-5-Punkt-Gurte, CAE-Shifter, Carbon-Türverkleidungen