Hochleistungs-Turnschuh

BMW E36/8 Z3 M Coupé

Es ist doch erstaunlich und schön zu sehen, wie sich Sprichwörter oder auch Spitznamen in verschiedenen Sprachen unterscheiden. So bekam das unvergessene BMW Z3 Coupé bei uns in Deutschland aufgrund seiner außergewöhnlichen und durchaus umstrittenen Optik bekanntlich die Bezeichnung „Turnschuh“ verpasst. Die englischsprachigen Journalisten und Fans hatten hier einerseits zwar recht ähnliche, aber dennoch leicht abweichende Assoziationen, denn sie betitelten den Wagen als „clown shoe“, sprich „Clownsschuh“ – zweifellos eine Anspielung auf die lange Motorhaube des Müncheners. Andererseits ist das Z3 Coupé im Englischen auch als „bread van“, also etwa „Brotwagen“ bekannt. Dies bezieht sich auf die Form des Hecks, genau wie beim Ferrari-Einzelstück 250 GT SWB Breadvan aus dem Jahr 1962.

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Aber ganz gleich, wie man es jetzt – aus mehr oder weniger despektierlichen Gründen – nun nennen will: Unbestritten ist wohl, dass das Z3 Coupé nicht nur schon jetzt ein ikonischer Klassiker ist, sondern zudem ein hervorragender Sportwagen: Dies gilt insbesondere für das M-Topmodell, das in Europa zunächst mit S50-Motor 321 PS und ab 2001 mit dem S54-Triebwerk 325 PS generierte. Damit ist das Ende der Fahnenstange in Sachen Leistung aber natürlich noch längst nicht erreicht, wie das hier vorgestellte Z3 M Coupé von Ghery Akopyan aus Los Angeles unter Beweis stellt.

Eigenhändiger Umbau

Er erwarb sein Exemplar des seltenen Sportlers, von dem es in den gesamten USA nur ein paar Hundert gibt, vor etwa elf Jahren in Texas. Seinerzeit war der Wagen nicht nur serienmäßig, sondern zudem in einem relativ mittelmäßigen Zustand. Seitdem ist er einer kontinuierlichen Evolution unterzogen, im Zuge derer Ghery der technischen Entwicklung folgt und immer wieder topaktuelle, neue Komponenten verbaut: Und das ist hier wörtlich zu nehmen, denn der Kalifornier hat mit wenigen Ausnahmen sämtliche Modifikationen eigenhändig umgesetzt. Schließlich machte er seine Leidenschaft für Autos, vor allem europäische Fabrikate und insbesondere BMWs, zum Beruf: Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Vik führt er in der Nähe von Los Angeles den Werkstatt- und Tuningbetrieb „Garage 54“ – ein Name, der Gherys BMW-Liebe unterstreicht, denn die Ziffer ist in Anlehnung an den famosen S54 gewählt, den der Amerikaner als einen der besten, jemals entwickelten Motoren bezeichnet.

Weitreichend optimierter S54

So ist es nur logisch, dass unter der langen Haube seines Z3 M Coupés dieses Triebwerk Dienst tut. Dabei ist jedoch anzumerken, dass dieser nicht ab Werk dort zu finden war – schließlich stallt der Wagen aus dem Baujahr 2000, zu dieser Zeit besaß das Modell in den USA noch den S52 mit nur 243 PS. Ghery transplantierte nach dem zwischenzeitlichen Intermezzo eines S50 den S54 aus einem E46 M3 unter die Haube. Wie angedeutet verblieb der Motor keineswegs im Serienzustand. Vielmehr ließ Ghery quasi keinen Stein auf dem anderen, sodass sich die Leistung zum Zeitpunkt des Shootings mit sage und schreibe etwa 750 PS beziffern ließ – am Rad wohlgemerkt, sprich umgerechnet etwa 860 PS an der Kurbelwelle! In der Zwischenzeit wurde sogar nochmals nachgelegt, sodass der BMW je nach Ladedruck nun sogar maximal 850 bis 900 PS am Rad generiert. „Ladedruck“ ist auch gleich ein gutes Stichwort, das verdeutlicht, welchem Bauteil der krasse Leistungszuwachs zum Großteil zuzuschreiben ist: Das Aggregat erhielt eine Aufladung mittels Vortech-Kompressors, der im Zusammenspiel mit einer Custom-Riemenscheibe und einem TiAL-Blow-off-Ventil arbeitet. Zu den unzähligen weiteren Anpassungen gehören Custom CP Pistons-Kolben im gesleevten Motorblock, die auch für die Verringerung des Hubraums von 3,2 auf 3,1 Liter und die Verdichtung von 12:1 verantwortlich sind, Carillo-Pleuel, eine überarbeitete Kraftstoffanlage mit neuen Einspritzdüsen und Aeromotive-Druckregler sowie ein Luft-zu-Flüssigkeits-Kühlsystem. Hinzu kommen ein HKS-Luftfilter, eine VAC-Ölpumpe, und eine Ventilsteuerung sowie Zylinderkopfdichtungen von Achilles Motorsport. Ergänzend sind VANOS-Nockenwellensteuerung modifiziert, eine Methanol-Einspritzung verbaut und das Triebwerk auf E85-Betrieb ausgelegt. Die Custom-Abgasanlage mündet in Eisenmann-Schalldämpfern.

Handschaltung, standfeste Bremsen & Co.

Mittlerweile ist das einzige, was noch im Originalzustand ist, das Armaturenbrett“, sagt Ghery über sein Z3 M Coupé. Dies verdeutlicht nicht nur, wie viel Zeit und Herzblut in den Umbau flossen und fließen, sondern lässt auf diverse weitere technische Anpassungen schließen: Die Kraftübertragung gewährleistet ein manuelles Sechsgang-Getriebe, das gleichfalls vom E46 M3 stammt. Kombiniert ist es mit einer Zweischeiben-Carbon-Keramik-Kupplung, einer Custom-Antriebswelle und einem Sperrdifferential. Die Modifikationen des Fahrwerks und Chassis reichen bis hin zu bearbeiteten, verstärkten Subframes, hinten mit Spur- und Sturzeinstellung. Die zweifach einstellbaren Gewindefederbeine von TC Kline Racing sind über Vorshlag-Domlager fixiert. Für noch mehr Steifigkeit und Fahrdynamik sorgen Hotchkis-Stabilisatoren, Powerflex-PU-Buchsen und eine Domstrebe. Erstklassige Verzögerungswerte garantieren AP Racing-Sättel aus einem Audi-Tourenwagen, die vorne mit sechs Kolben auf 355-Millimeter-Scheiben einer Corvette Z06 und hinten mit vier Kolben auf 328-Millimeter-Scheiben eines E38 750i einwirken – bestückt rundum mit Race-Bremsbelägen von Ferodo.

Zurückhaltende Optik

Verglichen mit dem Umfang der technischen Optimierungen, durch die Ghery sein Z3 M Coupé in den für ihn perfekten Daily Driver – ja, richtig gelesen! – verwandelte, fallen die optischen Anpassungen geradezu dezent aus: Ghery wollte bewusst den OEM-Look beibehalten: Zwar wurden die Frontschürze sowie die Kotflügel, die Motorhaube und die Heckklappe bearbeitet, jedoch so unauffällig, dass der Wagen wie serienmäßig wirkt. Auffälligste Neuerung sind daher die schwarzen Volk TE27SL-Felgen in 9,5×18 und 10,5×18 Zoll, welche mit 245/35er R18 275/35er Reifen bezogen sind. Jeweils eine der sechs Speichen ist in dunklem Rot ausgeführt. Diese Akzentfarbe greifen die Zierstreifen an der im Übrigen alpinweiß lackierten Karosserie auf. Last but not least ist das Cockpit keineswegs spartanisch abgespeckt, sondern sportlich-wohnlich eingerichtet – was sicherlich auch daran liegt, dass Ghery den BMW eben tagtäglich fährt. Die werkseitige Ausstattung in Schwarz und Grau blieb grundsätzlich erhalten und wurde umfangreich aufgewertet: So gibt es nun Recaro-Sitze, ein Lenkrad aus dem Nachfolger Z4 M mit voll funktionsfähigen Bedientasten, drei Zusatzanzeigen in der Mittelkonsole und einen Überrollbügel. Der hoch aufragende, schwarze Schalthebel trägt einen runden Custom-Knauf aus Holz. Und sogar eine komplette Musikanlage mit Pioneer-Headunit sowie mehreren Verstärkern und mehreren Lautsprechern inklusive eines Subwoofers ist an Bord. Alcantara-Bezüge für den Dachhimmel und die zugehörigen Säulen sowie weitere Details runden das erstklassige Gesamtpaket ab.

Technische Daten

BMW Z3 M Coupé

Baujahr: 2000

Karosserie: Frontschürze sowie Motorhaube, Kotflügel und Heckklappe modifiziert, Lackierung in Alpinweiß, rote Vinyl-Zierstreifen auf den Seiten, 3M Crystalline-Scheibentönung

Motor: 3,2-Liter-S54-Reihensechszylinder-Ottomotor (aus einem E46 M3), Kompressor-Aufladung per Gintani-Kompressorkit mit Vortech V-2 Ti-Kompressor und Custom-Riemenscheibe, TiAL-Blow-off-Ventil, Motorblock gesleevt, Custom-CP Pistons-Kolben für Verdichtung von 12:1 (und Hubraum-Verkleinerung auf 3,1 Liter), Carillo-Pleuel, Einspritzdüsen mit Durchflussrate von ca. 50,5 l/h, Aeromotive-Kraftstoffdruckregler, polierte und modifizierte VANOS-Nockenwellenverstellung, L19-Zylinderkopfbolzen, ARP-Motorbolzen, HKS-Luftfilter, Luft-zu-Flüssigkeits-Kühlsystem mit Custom-Aluminium-Reservoir und Elektronik vom M4, Custom-Kühler, poliertes Thermostat, Achilles Motorsports-Ventilsteuerung und -Zylinderkopfdichtung, Achilles-Motorlager, VAC-Ölpumpe, Methanol-Einspritzung mit Custom-Edelstahl-Reservoir, RMS-Auspuffkrümmer, Custom-Edelstahl-Abgasanlage mit Eisenmann-Race-Schalldämpfern, Alpha N-Motorsteuerung, Umbau für Betrieb mit E85, ca. 750 PS am Rad

Kraftübertragung: Getrag Type D-Sechsgang-Handschaltgetriebe vom E46 M3, RPS-Zweischeiben-Carbon-Keramik-Kupplungskit, Custom-Antriebswelle, Sperrdifferential mit 40% Sperrwert

Fahrwerk: zweifach einstellbare TC Kline Racing-Gewindefederbeine, Vorshlag-Domlager, Mason Engineering-Domstrebe aus Aluminium, Hotchkis-Stabilisatoren, Powerflex-PU-Buchsen, verstärkter Subframe vorne, modifizierter und verstärkter Subframe hinten mit Spur- und Sturzeinstellung

Rad/Reifen: Volk TE27SL-Leichtmetallfelgen in 9,5×18 und 10,5×18 Zoll mit Firestone Firehawk Indy 500-Bereifung in 245/35R18 und 275/35R18

Bremsen: AP Racing-Sättel von einem Audi-Tourenwagen mit VA sechs und HA vier Kolben, VA zweiteilige 355-mm-Scheiben von der Corvette Z06, HA 328-mm-Scheiben vom E38 750i, Ferodo-Race-Bremsbeläge rundum

Innenraum: originale Innenausstattung in Schwarz und Grau, Lenkrad vom Z4 M mit funktionierenden Multifunktionstasten, zusätzliche Öltemperatur- und Ladedruck-Anzeigen von Stack und Ethanol-Zusatzanzeige von Innovate in der Mittelkonsole, Custom-Schaltknauf aus Holz auf langem schwarz anodisiertem Schalthebel, Recaro Pole Position-Sitze mit Leder-/Mikrofaser-Bezug, Autopower-Überrollbügel, Z4-Innenraumleuchte mit bernsteinfarbenem Licht, Dachhimmel sowie -säulen und weitere Akzente mit Alcantara-Bezug, optimierte Dämmung im gesamten Fahrzeug

Multimedia: Pioneer-Headunit, Carbon-Lautsprecher von Focal, 10-Zoll-Subwoofer von RE Audio in Custom-Glasfaser-Box, JL Audio-Verstärker