V8-Power im Ford Capri

V8 im Ford Capri

V8-Power im Ford Capri

Was der Mustang in den USA geschafft hatte, sollte ab 1968 auch dem Capri in Europa gelingen: ein erfolgreiches Sportcoupé sein. Dieser Plan ging nur bedingt auf, sicherlich nicht zuletzt deswegen, weil der Capri nur mit recht schwächlichen Vier- und Sechszylindern auskommen musste.

Was dem Wagen fehlte stellt beispielsweise das hier gezeigte Fahrzeug unter Beweis. Ein kraftvolles Triebwerk, im Idealfall einen großvolumigen V8. Realisiert wurde dieses kraftvolle Exemplar – wen wundert’s? – in den USA. Dorthin war der Capri ab 1970 aus Kölner Produktion importiert und über Mercury-Händler verkauft worden. Besitzer dieses orangefarbenen Coupés ist Blane Evans aus San Diego. Er ist jedoch nicht der erste, der den kleinen Zweitürer mit einem starken V8 ausstattete. Inspiration bezog er durch die Ford-Umbauten des südafrikanischen Rennsportteams bzw. Autotuners und -herstellers Basil Green Motors. Dieser hatte auf Basis des Capris und weiterer Ford-Modelle leistungsgesteigerte Modelle, zumeist mit V8 und dem Beinamen Perana erschaffen.

V8-Motor mit etwa 369 PS

Als Basis für den Achtzylinder im Bug des Wagens dient ein 5,0-Liter-Roller-Motoblock, wobei der Hubraum durch zahlreiche Modifikationen jedoch sogar auf nunmehr knapp 5,7 Liter erweitert ist. So verrichten in den Zylindern Icon-Kolben ihre periodische Arbeit, mit der sie über geschmiedete Pleuel von Scat eine ebensolche Kurbelwelle aus gleichem Hause in Rotation versetzen. Die Ventile in den CNC-gefrästen und polierten Zylinderköpfen werden dabei über eine TrickFlow-Nockenwelle und Comp-Energizer-Kipphebel dirigiert. Die Kraftstoffeinspritzung geschieht mittels FiTech-Einspritzanlage über geflochtene Hochdruck-Leitungen. Zudem verbaute Blane diverse Komponenten von Ford Racing wie etwa die Steuerkette, die Wasserpumpe und die gesamte Verkabelung, aber auch die Lichtmaschine und der Anlasser. Weitere Neuerungen sind unter anderem der Griffin-Kühler sowie der Shelby-Edestahlkrümmer. Auf der Habenseite steht bei diesem Hochleistungstriebwerk eine Power von etwa 369 PS, während das maximale Drehmoment 582 Nm beträgt. Um diese Kraft fachgerecht auf die Straße zu bekommen, installierte Blane ein Tremec-5-Gang-Getriebe in T5Z-Spezifikation, kombiniert mit einer Ford-Schaltwegverkürzung, einer Stage II-Kupplung von Centerforce sowie einem Aluminium-Schwungrad und einer QA1-Antriebswelle aus Carbon. Das Differential mit Sperrwirkung stammt von Auburn.

Scheibenbremsen und Tieferlegung

Ergänzend erhielt der Capri darüber hinaus natürlich Optimierungen seines Fahrwerks und der Bremsanlage. Ersteres zeichnet sich vorne durch Gewindefederbeine in Kombination mit Track-Querlenkern und einem Rennsport-Stabilisator sowie Polyurethan-Buchen aus. Am Heck kommen Blattfedern und KYB-Racing-Dämpfer zum Einsatz. Insgesamt resultiert durch die Modifikationen nicht nur ein spürbar dynamischeres Fahrverhalten, sondern ferner eine Tieferlegung um etwa zehn Zentimeter. Die Bremsanlage besitzt vorne Tickover-Sättel, die auf innenbelüftete und gelochte 247-Millimeter-Scheiben einwirken. Hinten verfügt der Capri unterdessen über Sättel eines 1993er Mustang Cobra, auf gleichfalls gelochten und innenbelüfteten Scheiben. Ergänzend gibt es rundum Stahlflex-Leitungen und einen Wilwood-Handbremskit.

Karosserie im Capri Perana-Look

Bei der Überarbeitung der Karosserie ließ sich Blane erneut von den bereits thematisierten Capri Peranas aus dem Hause Basil Green Motors inspirieren. So orientieren sich die im Bleck handgefertigten Kotflügelverbreiterungen an den siegreichen Rennversionen dieser V8-Coupés. Die Stoßstangen an Front und Heck des Fahrzeugs aus dem Jahr 1974 stammen unterdessen ebenso vom Vor-Facelift-Modell wie die Rückleuchten-Einheit. Marken-Logos und -Schriftzüge sucht man vergebens. Selbiges gilt für Chromelemente – alle Komponenten, die ein solches Finish besaßen wie etwa die Türgriffe sind nun satinschwarz ausgeführt. Die sich bei den US-Modellen im Kühlergrill platzierten Blinker befinden sich finden sich nicht mehr in diesem, was dem verbauten Grill in EU-Spezifikation zuzuschreiben ist. Richtungsanzeiger sind dafür in die neuen Klarglas-Scheinwerfereinheiten integriert. Weitere auffällige Merkmale sind die Sportspiegel und die Lackierung in der Custom-Farbe „Viscious Orange“.

Interieur mit Racing-Touch

Weitreichend verfeinert hat Blane zu guter Letzt auch den Innenraum seines Capris. Dank des Überrollbügels und eines Satzes Recaro-Sportsitze mit NRG-Fünfpunkt-Gurten ist der Ford bestens für sportliche Einsätze, selbst auf der Rennstrecke geeignet. Zumal darüber hinaus die Rückbank entfernt wurde. Komplett neu aus Metall gefertigt ist das Armaturenbrett mit Auto Meter-Armaturen, vor denen ein LeCarra-Lenkrad mit Custom-Nabe sitzt. Hinzu kommen diverse weitere Details, die hier nicht in Gänze aufgeführt werden können, aber im Datenkasten zu finden sind. Mit dabei sind beispielsweise eine Wilwood-Pedalerie, eine Eigenbau-Mittelkonsole und leichte Aluminium-Eigenbau-Türverkleidungen.

Technical Facts

Fahrzeugtyp: Ford Capri (1974)

Motor: V8-Ottomotor, 5,0-Liter-Roller-Block, ARP-Bolzen, CNC-geportete und polierte TrickFlow Twisted Wedge 190-Zylinderköpfe, TrickFlow-Nockenwelle, geschmiedete Kurbelwelle samt Pleuel von Scat, Icon-Kolben, Comp-Energizer-Ventilkipphebel, Ford Racing-Steuerkette, Ford Racing-Wasserpumpe, MSD-Zündverteiler, 9-mm-Kabel von Ford Racing, Ford Racing-Lichtmaschine, CVF-Motorsport-Riemenscheiben und -Halterungen, Hochdrehzahl-Anlasser von Ford Racing, FiTech GoEFI 600 HP-Kraftstoffeinspritzung, geflochtene Hochdruck-Kraftstoffleitungen, modifizierter Griffin-Kühler, handgefertigte Custom-Kühlerabdeckung aus Aluminium, Überlaufbehälter aus Aluminium mit Sichtglas, verstärkter Querträger mit V8-Motorhalterungen (Eigenbau), Shelby-Edelstahl-Krümmer, Edelstahl-V-Band-Krümmer-Flanschklemmen

Hubraum: 5.686 ccm

Leistung: ca. 271 kW / 369 PS

max. Drehmoment: ca. 582 Nm

Kraftübertragung: Tremec T5-5-Gang-Getriebe umgebaut auf T5Z-Spezifikation, Ford-Schaltwegverkürzung, Centerforce Stage II-Kupplung, Aluminium-Schwungrad, QA1-2,25-Zoll-Antriebswelle aus Carbon, verschmälerte 8,8-Zoll-Ford Explorer-Hinterachse, Auburn Pro-Differential mit Sperrwirkung, Custom-Differentialdeckel

Fahrwerk: VA voll einstellbare Techno Toy Tuning-Gewindefederbeine sowie Eibach-Federn, einstellbare Track-Querlenker und Team Blitz-Rennsport-Stabilisator mit Polyurethan-Buchsen, HA Rennsport-Blattfederkit mit 3 Zoll Tieferlegung und KYB-Racing-Dämpfer, Tieferlegung insgesamt um 4 Zoll

Rad/Reifen: Custom-Leichtmetallfelgen von Vintage Wheel Works in 8×15 und 10×15 Zoll mit Hankook-Bereifung in 245/40 ZR15 und 265/50 ZR15

Bremsen: VA Tickover-Sättel auf innenbelüfteten sowie gelochten 247-mm-Scheiben vom EU-Capri, HA Sättel vom 1993er Mustang Cobra mit innenbelüfteten und gelochten Scheiben, Wilwood-Mustang/Explorer-Handbremskit, Stahlflex-Leitungen rundum

Karosserie: Eigenbau-Kotflügelverbreiterung im Blech, Front- und Heckstoßstangen vom 1971er Vor-Facelift-Modell, Rückleuchten-Einheit durch Leuchten vom Vor-Facelift-Modell ersetzt, Markenlogos und Seiten-Markierungsleuchten entfernt, alle ehemaligen Chrom-Komponenten wie die Türgriffe in Satinschwarz, deutscher RS-Kühlergrill zur Eliminierung der vorderen Blinker, Frontleuchten von Oracle Lightning mit integrierten Blinkern, restaurierte Aftermarket-Sportspiegel für den frühen Capri, Motorsport-erprobte Motorhauben-Pins von Eddie Motorsport, Lackierung in Custom-Farbe „Viscious Orange“

Innenraum: Motorsport-Überrollkäfig, Custom-Stahl-Armaturenbrett mit Auto Meter-Armaturen, LeCarra-Lenkrad mit Custom-Nabe, Dachinnenverkleidung zur Installation des Käfigs teilweise entfernt, Rücksitze entfernt, Ron Francis „Bare Bonz“-Sicherungstafel und -Kabelbaum, Custom-12V-Steckdose auf der Beifahrerseite, Eigenbau-Mittelkonsolen-Panel mit Bedieneinheiten, Convex-Rennsport-Spiegel, Eigenbau-Türinnenverkleidungen aus Aluminium mit Türgriffen vom 1965er Mustang, schwarze Metall-Fensterheber-Kurbeln, Custom-Pedalerie mit Wilwood-Pedalen und Masterzylinder, Custom-Blinkerbetätigung unter dem Handbremsgriff, stilechte Recaro-Sportsitze mit neuer Polsterung und Lederbezug auf Motorsport-Konsolen, NRG-5-Punkt-Gurte, NRG-Fußmatten, MK1-Teppichset aus Australien, modifizierter Tank im Heck, Optima YellowTop-Batterie im Kofferraum, Reserveradmulde entfernt, Facelift-Rücklicht-Cover modifiziert für Einsatz an Vor-Facelift-Leuchten, Custom-Kofferraum-Teppich

Text: Simon Mombartz, Fotos: Viktor Benyi