Der 99%-M3

Joey Byrd aus Mainz trimmte sein im Jahr 1995 als 328i vom Band gelaufenes BMW E36 Cabriolet nicht nur optisch auf den Look des großes Bruders M3, sondern der 32-jährige Maler und Lackierer, der sowohl die deutsche als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, transplantierte mit Hilfe eines Kumpels auch praktisch dessen komplette Technik mit einer Konsequenz in seinen Open Air-Bayern, die uns den BMW heute glattweg als M3 bezeichnen lässt – denn das ist er mehr als alles andere.

Vom M3, dessen Karosserie-Blechteile bei der E36-Baureihe im Gegensatz zu späteren Generationen praktisch identisch zu seinen zivilen Brüdern waren, stammen neben den Schürzen an Bug und Heck sowie den Seitenschwellern auch die windschlüpfrigen Außenspiegel. Dazu kombinierte Joey eine Eigenbau-Frontlippe, einen den Motorsport zitierenden Heckdiffusor sowie einen Heckspoiler von Rieger Tuning. Flexible EZ Lip-Universal-Spoilerlippen lassen das Cabriolet optisch noch tiefer wirken. Für einen noch düsteren Auftritt wurden die Scheinwerfergläser getönt sowie Smoke-Blinker und -Seitenblinker eingesetzt. Die Markenembleme vorn und hinten sowie die Antenne verschwanden im Zuge eines Cleanings spurlos. Dafür setzte Joey, der sich von Berufs wegen mit Farben auskennt, als Kontrast zu schwarzen Uni-Lackierung einen umlaufenden Highliner-Streifen in Rot.

Aufgeschüsselte und hochglanzverdichtete OZ Futura-Dreiteiler

Hochglanzverdichtete Oldschool-Schmuckstücke rotieren in den Radhäusern: Die fünfarmigen OZ Futura-Dreiteiler wurden von einst 8,5×17 und 10×17 Zoll geringfügig auf nun 9×17 und 10,5×17 Zoll umgeschüsselt, sodass sich die aufgezogenen Toyo Proxes T1-R-Gummis der Dimensionen 215/40R17 und 245/35R17 deutlich über die modifizierten Mehrteiler stretchen.

Aus Komponenten verschiedener KW-Gewindefahrwerke setzt sich das Fahrwerk des Selfmade-M3 zusammen. Während die an der Vorderachse installierten V1-Federbeine nur in der Höhe verstellbar sind und über feste Dämpferkennlinie verfügen, lässt sich letztere bei den an der Hinterachse zum Einsatz kommenden V3-Dämpfern zusätzlich in Druck- und Zugstufe justieren. Gleichermaßen wurden hingegen an beiden Achsen H&R-Stabilisatoren. Durch das im Zuge des Umbaus durchgeführte chemische Entlacken und das anschließende Aufbringen einer frischen Pulverbeschichtung in Rot fit für die nächsten Jahrzehnte.

S50B32-Transplantation

Es drängt sich an dieser Stelle natürlich die Vermutung auf, dass auch im Maschinendeck M3-Technik einzog. Richtig! Den einstigen M52B28 ersetzten Joey und sein Schrauberkumpan Björn, der ein ähnliches Upgrade zuvor bereits bei seinem E30 vorgenommen hatte, durch das S50B32-Aggregat aus einem 1997er M3 samt dessen kompletter Peripherie wie etwa Kabelbaum, Benzinpumpe, Wasser- und Ölkühler etc. Die ebenfalls vom E36 M3 stammende Abgasanlage inklusive Fächerkrümmer und Katalysatoren mündet in einen von der niederländischen Firma Scorpion nochmals modifizierten G-Power-Endschalldämpfer, welcher zwar kraftvoll seine Stimme erhebt, ohne dabei aber mit übertriebener Lautstärke oder unangenehmen Frequenzen zu nerven. Während das Hochdrehzahl-Triebwerk selbst, von einer umfangreichen Technik-Überholung inklusive des VANOS einmal abgesehen, technisch unangetastet blieb, setzen rote Samco-Schläuche am Übergang der Airbox zu den Einzeldrosseln sowie eine schimmernde Wiechers-Carbon-Domstrebe optische Akzente im Motorraum.

Vom E36 M3 stammt auch die komplette Sportbremsanlage, welche zusätzlich mit Stahlflex-Bremsschläuchen aufgerüstet und mit roten Bremssätteln in Szene gesetzt wurde.

M-Cockpit

Mit ungebremstem Elan setzte Joey die M3-Transformation auch im Fahrgastraum des viersitzigen Cabriolets fort: So stammt die schwarze Ledergarnitur aus einem M3 Coupé und auch das unten abgeflachte Sportlenkrad mit neuem Lochleder/Alcantara-Bezug sowie der rot beleuchtete Schaltknauf sind originale M3-Parts. Auf schwarzem Teppich legte Joey speziell angefertigte Fußmatten mit ///M3-Logo und umlaufenden Nähten in M-Farben aus.

Während im Cockpit oberhalb des großen Bordcomputers ein relativ unscheinbarer Alpine CDA-137BTi-Receiver mit zusätzlichem Soundprozessor steckt, macht erst ein Blick in den (ehemaligen) Kofferraum klar, dass hier auch druckvolle HiFi-Technik an Bord sein muss. Denn unter dem Heckdeckel haust unter einem beleuchtetem „Bad Toys for Bad Boys“-Schriftzug eine mächtige Hifonics Andromeda-Endstufe. Darüber hinaus bringt aus dem Heckbereich der in einem Fortissimo-Bandpass-Gehäuse verbaute JL Audio-12-Zoll-Subwoofer die Frisuren der Fahrzeug-Insassen in Wallung. Für die Übertragung der Hoch- und Mittelton-Frequenzen zeichnet ein Audio System-Frontsystem verantwortlich, dessen Lautsprecherchassis in den erweiterten Doorboards sowie in den Fahrer- und Beifahrer-Fußräumen installiert wurden.

Technical Facts

BMW E36 M3 Cabrio (Basis 328i)

Baujahr: 1995

Karosserie: komplettes M3-Paket inkl. Spiegel, Heckdiffusor in Wagenfarbe, Rieger-Heckspoiler, Eigenbau-Frontlippe (aus Porsche-Interieur-Bauteilen gefertigt), EZ Lip vorne und seitlich, Radläufe rundum gezogen/gebördelt, Heckdiffusor, alle Embleme und Antenne gecleant, getönte Scheinwerfer, Blinker und seitliche Blinker in Smike, Scheiben getönt, Lackierung in Schwarz uni mit roten Highliner-Streifen rundum

Motor: 3,2-Liter-Reihensechszylinder (Umbau von M52B28 auf S50B32 inkl. Steuergerät, Kabelbaum, Benzinpumpe und -filter, Kühler, Ölkühler, Heizventile etc.), Abgasanlage inkl. Fächerkrümmer und Katalysatoren vom E36 M3, G-Power-Endschalldämpfer modifiziert von Fa. Scorpion (NL), rote Samco-Schläuche, Motorhalter in Rot gepulvert, 321 PS

Kraftübertragung: 6-Gang-Schaltgetriebe vom E36 M3

Fahrwerk: VA KW V1-Gewindefederbeine, HA KW V3-Gewindefederbeine, VA/HA H&R-Stabilisatoren, Wiechers-Carbon-Domstrebe, alle Achsteile chemisch entlackt und in Rot gepulvert

Rad/Reifen: dreiteilige OZ Futura-Felgen (hochganzverdichtet), 9×17 und 10,5×17 Zoll, Toyo Proxes T1-R-Bereifung in 215/40R17 und 245/35R17

Bremsen: komplette Bremsanlage vom E36 M3, Bremssättel rot gepulvert, Stahlflex-Bremsschläuche rundum

Innenraum: schwarze E36 M3-Leder-Sportsitze aus M3 Coupé, unten abgeflachtes E36 M3-Sportlenkrad mit Lochleder/Alcantara-Bezug, rot beleuchteter M3-Schaltknauf, großer Bordcomputer, erweiterte Doorboards mit zwei Lautsprechern und Seitenairbags, schwarzer Teppich, speziell angefertigte Fußmatten mit ///M3-Logo und Nähten in M-Farben

Multimedia: Alpine CDA-137BTi-Receiver mit zusätzlichem Soundprozessor, Fortissimo-Bandpass-Gehäuse mit JL Audio-Subwoofer (12 Zoll), Audio System-Frontsystem inkl. Frequenzweichen (in Doorboards und Fußraum), Kofferraumausbau mit Hifonics-Endstufe und beleuchtetem „Bad Toys for Bad Boys“-Schriftzug

Sonstiges: Tempomat nachgerüstet