BMW E28: Rusty Slammington is back!

BMW E28 Rusty Slammington

Phoenix from the ashes: Rusty Slammington is back!

Wenn es für ein BMW-Tuning-Magazin in diesen Wochen und Monaten gilt, seinen Lesern ein Auto zu präsentieren, dann ist es ganz gewiss DIESES! Für euch haben wir „Rusty Slammington“, den unumstrittenen Superstar der letzten SEMA-Show in Las Vegas und den Überraschungsgast der Essen Motor Show wenige Wochen später, während seines spotanen Deutschlandbesuchs vor unsere Kameralinse gezerrt!

Ebenso gewiss ist, dass Rusty nicht den Geschmack eines jeden BMW Power-Lesers treffen wird. Wissen wir. Doch wir wissen auch, dass Rustys unglaubliche Geschichte und die Raffinesse seines heutigen Umbaus sicherlich jeden Schrauber beeindrucken werden! Apropos Umbau: Dieses Auto als „Tuningfahrzeug“ zu bezeichnen, ist per definitionem eigentlich falsch. Denn hier wurde nichts „optimiert“ oder „verfeinert“. Hier wurde stattdessen aus dem Vollen geschöpft und von Grund auf neu konstruiert!

Rusty Evolution

Was hier vor uns steht, ist übrigens bereits die zweite Reinkarnation von Rusty Slammington. Denn sein Erbauer Mike Burroughs, seines Zeichens Betreiber sowie Chefredakteur der international äußerst populären Internetseite StanceWorks und somit gewissermaßen ein „Kollege“ von uns, hat Rusty bereits zum dritten Mal auf die Räder gestellt. Nachdem Mike im Jahr 2007 einen vergleichsweise normalen 1985er 535i in runtergerocktem Schwarz erworben hatte, startete er zunächst ein vergleichsweise „normales“ Tuningprojekt. Doch auf den großen Erfolg, seinen E28 einmal in einer Tuningzeitschrift zu sehen, folgte der Tiefschlag auf dem Fuße: Noch am Tag der Veröffentlichung des Magazins im Januar 2009 wurde der BMW bei einem Verkehrsunfall mit einem Lastwagen schwer beschädigt. Mike aber ließ das nicht verzagen, begriff er das Unglück doch – nach einer angemessenen Trauerzeit – auch als Chance: Auf Basis der schwer beschädigten Limousine baute er den Ur-Rusty, der vom heutigen Look schon gar nicht mehr sooooo weit entfernt war: Rost-Finish, Topchop-Dach, krasse Felgen. Dazu ein Airride sowie ein Biturbo-Motor vom Toyota Supra. Doch auch die Freude an dieser Rusty-Ausbaustufe währte nicht lange: Während Mike im März 2011 in seiner Garage an Rusty schraubte, brach dort plötzlich ein Feuer aus. Sich selbst konnte Mike zwar retten, doch für Rusty kam jede Hilfe zu spät: Der Wagen wurde ein Fraß der sich rasant ausbreitenden Flammen. Nur die verkohlte Karosserie blieb übrig. Und dann war Rusty Slammington erstmal gut vier Jahre von der Bildfläche verschwunden. Bis er dann bei der SEMA Show in Las Vegas überraschend wieder auftauchte: Auf dem H&R-Areal stand die BMW-Ratte im Rampenlicht – und zwar spektakulärer denn je! An kaum einer anderen Stelle passt das Bild vom „Phönix aus der Asche“ so gut, wie in diesem Fall.

Verkürzte Gruppe 5-Look-Karosserie über Gitterrohrrahmen

Im März 2014 begannen Mike und sein Kumpel Bryan Wilcox, ebenfalls Autor und Fotograf bei StanceWorks, mit Rustys Wiederaufbau. Mit einem E28 allerdings hat dieses Frankenstein-Ungeheuer kaum mehr etwas gemein. Das beginnt beim tragenden Gitterrohrrahmen, über den als Hülle eine rostige Custom-Karosserie im Style der legendären Gruppe 5-Rennserie gestülpt wurde. Gegenüber einem BMW E28-Chassis fällt der Radstand um rund 30 Zentimeter geringer aus.

Diese Schrumpfung musste natürlich auch die Karosserie mitmachen und dem aufmerksamen Betrachter fällt sofort ins Auge, wo sich diese vollzog: Im Unterschied zu normalen E28 nämlich hat Rusty nur noch zwei Türen. Wo sich einst die Fond-Portale befanden, machen sich nun – im wahrsten Sinne des Wortes – die hinteren Seitenteile breit. Ganz so, wie es damals bei den Gruppe 5-Rennwagen der 1960er und 1970er Jahre war. In dieser extremen Wertungsgruppe der DRM (Deutschen Rennsport Meisterschaft) war der E28 zwar – schon aufgrund der Tatsache, dass die Baureihe erst im Juli 1982 vorgestellt wurde – niemals vertreten, wohl aber war der kleine Bruder E21 320 in der Gruppe 5 sehr populär und erfolgreich unterwegs. Auch der an einen Schneepflug erinnernde Frontspoiler sowie der kantige Heckdiffusor passend zum Gruppe 5-Thema. Dazu kommt selbstverständlich das gechoppte Dach, denn dieses gehört zu Rusty Slammington wie die „Zähne“ hinter den Vorderrädern.

Custom-Fahrwerk by H&R

Dass Rusty seine Weltpremiere auf dem H&R-Stand feierte, kommt natürlich nicht von ungefähr: Die Fahrwerkspezialisten aus dem im Sauerland gelegenen Lennestadt konstruierten und fertigten für das Custom-Car ein ganz spezielles und aufwändiges Gewindefahrwerk mit Pushrod-Aufhängungen, wobei die H&R-Techniker auf ihren riesigen Motorsport-Erfahrungsschatz zurückgriffen.

BBS-Magnesiumfelgen vom Porsche 956

Die aus superleichtem Magnesium gefertigten und in mattem Gold lackierten Sterne der BBS E52-Racing-Dreiteiler wurden mit gewaltigen Felgenbetten kombiniert, sodass sich „Endformate“ von 12×16 Zoll an der Lenk- sowie sogar 14,5×19 Zoll an der Antriebsachse ergeben. Bezogen wurden die vom Porsche 956-Sportwagenprototypen stammenden Zentralverschlussfelgen mit fetten Hoosier-Gummis, die an der Hinterachse brutale 345/30ZR19 messen. Hinter den goldenen Felgensternen warten kräftige Wilwood-Bremsanlagen auf ihren Einsatz.

S38-Rennmotor

Weit weniger „ranzig“ und chaotisch als es das Äußere vermuten lässt, geht es unter der abnehmbaren Motorhaube zu: Nachdem Rusty in seinen früheren Leben von Toyota Supra-Antriebstechnik befeuert wurde, steckt nun wieder ein BMW-Motor im Maschinenraum – jedenfalls dessen Kern. Denn weit nach hinten versetzt (bis unter die Windschutzscheibe und den Armaturenträger) installierte Mike einen von VAC Motorsports aufgebauten Reihensechszylindermotor, der auf dem Block eines S38-Triebwerks aus dem E34 M5 basiert. Der Hubraum des frei saugenden Sechsenders wurde auf 3,7 Liter vergrößert und in seinem Inneren rotiert und stampft nur feinste Schmiede-Hardware. Die Verdichtung des auf Trockensumpfschmierung umgerüsteten Racing-Motors beträgt stolze 14:1. Optisch appetitlich präsentiert sich das Triebwerk mit blitzsauberen Motorsport-Bauteilen, roten Ansaugtrompeten, einem Geschlängel von Stahlflex-Leitungen mitsamt in Blau und Rot eloxierten Fittings.

Wunderschön anzusehen ist auch der von PFM-Autosport nach Maß angefertigte Fächerkrümmer, der Rustys heißem Atem geradewegs zum vor dem rechten Hinterrad austretenden Endrohr leitet. Im Kofferraum sitzt, umschlossen von den Rohren des Rahmens, eine leuchtend rote ATL-Sicherheitstankzelle. Anzugeben, wie viel Power Rusty denn nun unter der Motorhaube hat, fällt schwer. Denn das Triebwerk ist – wie auch der Rest des Fahrzeugs – eigentlich noch gar nicht fertig und dementsprechend auch noch nicht betriebsbereit. Mit rund 500 PS allerdings darf durchaus gerechnet werden!

Spartanisches Cockpit

Wie nicht anders zu erwarten war, ist auch im Innenraum des Custom-Cars praktisch kein Bauteil mehr serienmäßig oder auch nur seriennah: Eng umschlossen vom Gitterrohrrahmen hocken Mike Burroughs und sein Copilot – in aller Regel wohl Bryan Wilcox – im nackten Blech minimalistischer Kirkey-Rennschalen. Ein gut gepolsterter Hosenboden ist hier allemal zu empfehlen. Auch sonst fallen die Blicke der Insassen auf reichlich unverkleidetes Metall. Aber das dürfte an dieser Stelle nun wirklich niemanden mehr verwundern.

Zwischen den Sitzen übrigens rotiert die aus dem Getriebe herausragende Kardanwelle – jedem TÜV-Prüfer würde es angesichts dieser abenteuerlichen Konstruktion die Nackenhaare sträuben.

Dirigiert wird Rusty Slammington von Mike Burroughs mittels eines kleinen Sparco-Lenkrads sowie einer stehenden Wilwood-Pedalerie. Perfekt erreichbar ist vom Lenkrad aus der weit nach oben reichende Schalthebel des sequenziellen Getrag-Fünfganggetriebes.

An Bord ist darüber hinaus übrigens auch eine pneumatische Fahrzeughebeanlage, mit der sich Rusty in Sekundenschnelle selbst aufbockt.

Wir hoffen für Mike, dass er dieses Mal länger Freude an Rusty hat. Allerdings sind wir auch ziemlich sicher, dass er ihn erneut aufbauen würde, falls das aus irgendeinem Grund nötig werden sollte…

 

Technische Daten

BMW E28 (ehemals 535i)

Baujahr: 1985

Karosserie: Gruppe 5-Style-Custom-Karosserie im Rost-Look über Gitterrohrrahmen, Umbau auf Zweitürer, Dach gechoppt

Motor: S38-Reihensechszylindermotor aus E34 M5, aufgebaut von VAC Motorsports, Hubraumvergrößerung auf 3,7 Liter, Verdichtung 14:1, diverse geschmiedete Innereien, Trockensumpfschmierung, PFM-Autosport-Fächerkrümmer, ATL-Sicherheitstankzelle im Kofferraum, ca. 500 PS

Kraftübertragung: sequenzielles Getrag-Fünfganggetriebe

Fahrwerk: H&R-Gewindefahrwerk (Sonderanfertigung) mit Pushrod-Aufhängungen

Rad/Reifen: BBS E52s-Magnesiumfelgen mit Zentralverschluss vom Porsche 956 in 12×16 und 14,5×19 Zoll, Hoosier-Bereifung

Bremsen: Wilwood-Bremsanlage

Innenraum: Kirkey-Sitze, Wilwood-Pedalerie, Sparco-Lenkrad

Sonstiges: pneumatische Hebeanlage

Text & Fotos: Sebastian Brühl